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Wien | 31.3.2008 | 18:09 
Filmflimmern.

Gerlinde, Matthews, Pamela

 
 
Nothing Hill
  Gute-Nacht-Geschichten verfolgen einen Zweck: Dass die Person, der sie erzählt werden, einschläft. Nun, da können wir ein Hakerl machen. Nicht nur liegt Maya (Abigail Breslin) irgendwann schlafend am Bett, auch im Kinosaal war während "Definitely Maybe" Gevatter Schlaf nicht weit davon entfernt, mich erfolgreich in sein süßes Reich zu ziehen. Maya ist selbst schuld, hat sie doch, nach dem verstörenden Sexualkundeunterricht in der Schule einige Fragen an ihren Vater William (Ryan Reynolds). War ich ein Unfall? Wie hast du meine Mutter kennengelernt? Warum lasst ihr euch scheiden?

Fertig pyjamiert sitzt Maya nun ihen zwischen Stofftieren auf einem Bett, von dem Prinzessin Lilifee nachts träumt und wartet auf Antworten. Vater Will möchte es spannender machen und holt aus: er erzählt Maya von ihrer Mutter und den beiden anderen Frauen in seinem Leben, verändert deren Namen und Maya soll schließlich rausfinden, welche der Frauen ihre Mutter ist.

 
 
 
Love Mystery?
  Maya in ihrer unerschütterlichen, bezopften Lieblichkeit nennt das love mystery. Naja. Jeder, der aus dem Alter heraußen ist, in dem einen die Milchzähne ausfallen, hat schnell aus den drei Frauen Mayas Mutter rausgepickt, noch bevor man romantic comedy sagen kann. Es gibt bei dem Festival der Einfallslosigkeit aber auch was auf der Plusseite zu vermerken. Immerhin invertiert der Film die Ausgangsbasis fast jeder romantischen Komödie und stellt einen Mann und seine Sichtweise in den Mittelpunkt. Außer in die Charakter- und Anzüge von Mr. Right und Wrong zu schlüpfen, haben Männer in der romantischen Komödie, wie sich jetzt ziemlich unverändert seit den 90ern an der Leinwand festkrallt, nicht viel zu tun. "Definitely Maybe" macht dann noch etwas, was bei Filmen mit Katherine Hepburn und Spencer Tracy funktioniert hat, was aber in "Speechless" mit Geena Davis und Michael Keaton schon niemanden mehr interessiert hat: Er bringt Politik mit ins Spiel.

 Ryan Reynolds, Isla Fisher
 
 
1992
  Und während momentan in den USA der Vorwahlkampf auf Hochtouren läuft, begibt sich der Film in die Sicherheit der Vergangenheit. Will will nämlich eigentlich Präsident werden und verlässt 1992 schließlich seine Collagefreundin und die Heimat Wisconsin, um in New Yorks im Wahlkampfkomittee Bill Clintons zu arbeiten. Ab dann laufen Wills und Bills Höhen und Tiefen synchronisiert. Große Euphorie für den Kandidaten und große Gefühle für die zurückgelassene Emily, deren Foto am Nachtkästchen thront werden irgendwann abgelöst von Trennungen, Vertrauensbrüchen und Skandalen.

Wenn schlleßlich Clinton sein "I did not have sex with Monica Lewinsky"-Statement im Fernsehen abgibt, sitzt, die politische Karriere gegen die in einer Werbeagentur eingetauscht, Single-Will zuhause vor dem Fernseher, isst Nudeln aus Pappschachteln und vergisst sogar seine eigene Geburtstagsfeier. Die Verschränkung von Politischem und Privatem ist als Filmrahmen eine reizvolle Idee, nur leider in dem Fall auch Perlen vor die Säue werfen, denn das, was gerahmt werden soll, ist nicht nur vorhersehbar, sondern auch fad.

 Ryan Reynolds
 
 
Kevin Kline als Michael Douglas
  Da nutzt auch Abigail Breslin nicht, der man nur dafür dankbar ist, dass sie frei von der Niedlichkeit ist, die Filmkinder sonst verkörpern müssen. Ryan Reynolds lässt in mir den seltenen Wunsch aufkommen, er möge sich augenblicklich in Hugh Grant verwandeln. Die beiden weiteren Frauenfiguren neben der blonden Emily sind die dunkelhaarige Summer (Rachel Weisz) und die rothaarige April (Isla Fisher). Liebchen, Workaholic und Freigeist und mittendrin one face Reynold. Ich warte und warte auf einen Moment, der nicht ein déjà-vu ist; der beste Moment ist schließlich erst recht eines, aber eines, das sich sehen lassen kann: Da öffnet Kevin Kline die Apartmenttür und trumpft kurz auf als Ostküsten-Intellektueller mit Bart, Brille und Bademantel und erinnert an Michael Douglas in Curtis Hansons "Wonder Boys".


 Abigail Breslin
 
 
Alles schon gesehen
  Es ist kein gutes Zeichen, wenn sich ein Film nur auf erlernte Muster von Wiedererkennen verlässt und keinen Funken Eigenkreation vorweisen kann. Das geht in "Definitely Maybe" so weit, dass der Wahlkampfleiter tatsächlich immer einen Bleistift hinterm Ohr hat, in Bars "Unbelievable" von EMF ertönt und die Figur der Journalistin dann auch noch eine schwarzgerandete Brille tragen muss. Das Offensichtliche mit Leuchtmarker noch dreimal unterstreichen, das ist das Credo dieses Films.

 Rachel Weisz
 
 
Weirdo=Beardo
  Was mir an "Definitely Maybe" dann aber so richtig auf die Nerven geht, ist die Bart-Symbolik, die irgendjemand mal als Gesetz in die Statuten der romantischen Komödie reinreklamiert hat. Der Held der Geschichte ist wie immer ein glattrasierter Strahler 80, Bärte tragen der Weirdo-Mitbewohner ("Notting Hill", anyone?), der misstrauisch beäugte neue Freund von April und der dem Alkohol zugetane Autor. Ich schließe mit mir selbst im Kinosaal (mit wem auch sonst, ich bin die einzige Besucherin der Nachmittagsvorstellung) die Wette ab, dass im Laufe des Films in Reynolds Gesicht ein Schatten eines Bartes zu sehen sein und jemand zu ihm sagen wird:A) You let yourself go oder B) You look like a mess. Ich behalte recht.

Diese bizarre amerikanische Film-Faustregel, dass Bartwuchs die Sichtbarmachung eines seelischen Krisenzustandes ist, gehört jetzt irgendwann überdacht. Bitte. Vielleicht ist der Bartwuchs-Kniff auch nur der Strohhalm im Meer von Schauspielern mit mangelnden Mimikqualitäten.

 Elizabeth Banks
 
 
  "Definitely Maybe" ist Lichjahre von der Qualität einer klassischen Screwballkomödie entfernt, aber auch Meilen und abertausend Meilen vom Witz und Tempo von "Green Card", ja selbst "Notting Hill" rückt angesichts dieses erhöhten Fadgasausstoßes erinnerungstechnisch im eigenen Filmranking gleich sehr viel weiter nach oben. Da nutzt auch das schöne "The Smiths"-T-Shirt nichts, das Isla Fisher trägt. Ein Smiths-Liedtitel wäre schließlich auch ein passenderer Filmtitel gewesen: William, It Was Really Nothing.

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  www.definitelymaybemovie.com
   
 
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