fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 30.6.2008 | 11:27 
Filmflimmern.

Gerlinde, Matthews, Pamela

 
 
So, mehr Kino
  All jene, die sich während der EM abendgestaltungstechnisch daran erfreut haben, sich vor einer großen Leinwand im Freien einzufinden und mitzufiebern, brauchen angesichts des EM-Endes jetzt nicht in ein freizeitplanerisches Loch fallen. Denn Leinwand und Mitfiebern geht auch ohne Trix und Flix, ehreschwöre. Die österreichischen Sommerkinos bieten ein Programm, das auf alle Fragen der Abendgestaltung nur eine Antwort zulässt. "Ich bin im Kino."

Und damit auch wirklich jeder am Ende des Sommers ohne schlechtes Gewissen "Je ne regrette rien" pfeifen kann, sag ichs gleich: Wer "No Country For Old Men" und "There Will Be Blood" noch nicht gesehen hat, sollte sich die Chance nicht entgehen lassen, sich den Film auf großer Leinwand anzusehen, beide unbarmherzigen US-Meisterwerke sind in einigen sommerlichen Programmschienen vertreten und brauchen die große Leinwand. So dringend wie Daniel Day-Lewis einen Milkshake und Javier Bardem eine Tetanus-Impfung.
 
 
 
Kino im Augarten
  Abseits vom erfreulichen Film-Nachsitzen von allem, was man im Laufe des Jahres verpasst hat, stehen auch wie immer Spezialprogramme im Knigge der Sommerkinos. Das Wiener Filmcasino wartet mit einem japanischen Filmfestival auf und da die Nähe zur EM das everbody's darling Sommerkino - "Kino unter Sternen" - verhindert hat, gibt es dieses Jahr Naked Cinema - ohne Leinwand, aber mit einigen Veranstaltungen, die sich mit Film beschäftigen.

Und weil im Wiener Augarten Kino bekanntlich besonders schön blüht, gedeiht dort diesen Sommer auch noch Kino wie noch nie. Genau dort, wo Filmarchiv Austria und Viennale ein "Filmkulturzenztrum" errichten wollten, wo aber nun wohl die Sängerknaben-Konzerthalle entstehen wird: Somit ist das sommerliche "Kino wie noch nie" ein ironischer Hidden Track einer baupolitischen Sonate.

Durch die Programmflut müsst ihr euch alle selber raupenimmersattgleich durchfressen, hier sind meine 6 Empfehlungen für den Kinosommer. Aber satt bin ich noch immer nicht.

 
 
 
Müllers Büro
  Niki Lists parodistische Ausgeburt der Referenzhölle ist für mich ein grell blinkender Punkt am Radar des österreichischen Films. Weil "Müllers Büro" ein Einzelstück ist, sowas findet man so schnell nicht wieder. Mit einem Krimiplot, der Handlung vortäuscht, verbeugt es sich vor Howard Hawks "The Big Sleep" und zitert und parodiert - bis wieder jemand zu singen beginnt. Steinherzige Gemüter werden ihre Zweifel spätestens bei Sue Taubers gelispeltem "Weil ich so sexy bin" über Bord werfen, wenn die Schreibmaschine im Takt klappert und Private Eye Max Müller (Christian Schmidt) mit charismatischem Dum-Dum-Dum den Kontrabass imitiert.

Zu sehen im Rahmen von Cinema Paradiso, St. Pölten.

 
 
 
 
Is was Doc
  Peter Bogdanovichs "Is was Doc" ist die einzige Screwball-Inkarnation nach der Genre-Hochblüte in den 30er Jahren, die sich auch wirklich so nennen darf. So wie Katherine Hepburn in "Bringing up Baby" in Cary Grants Leben platzt und den Frack einreisst, taucht hier Barbara Streisand aus dem Nichts auf und verkompliziert das Leben von Ryan O'Neal. Dabei will der doch nur endlich Fördergelder für sein Projekt, das sich mich prähistorischen musikalischen Steinen befasst. Es ist die Widerspenstigmachung eines Zahmen, die hier vollzogen wird. Dabei brennen auch schon mal Hotelzimmer nieder.

Zu sehen im Rahmen von Kino wie noch nie, Wien

 
 
 
 
Junebug
  Es ist schwer über "Junebug" zu schreiben, ohne, dass es so klingt, als wäre dies eine weitere indie-Komödie, deren Charme und Schmäh um eine dysfunktionale Familie kreist. George besucht mit seiner neuen Freundin, der Galeristin und Diplomatentochter, seine Eltern im hinteren Winkel North Carolinas. Es kommt, was kommen muss: Zwei Welten wohnen ach, unter einem Dach: Stadt vs. Land, Kultur vs. Natur, doppelter Wangenkuss zur Begrüßung vs. harter Händedruck. Doch "Junebug" ist kein Abklappern der Gegensatz-Klischees mit Schielen auf Pointen, stellt weder Georges Familie als Hinterwäldler dar, noch Madeleine als oberflächliche Stadtbewohnerin. Wunderbar ist Amy Adams als Georges hochschwangere Schwägerin mit einem breiten Südstaaten-Slang wie ein Highway-Sherrif. Als Georges jüngerer Bruder darf Benjamin McKenzie zeigen, dass er tatsächlich mehr kann, als in "The OC" waidwund durch die Gegend zu schauen.

Indiehipster können in ihrem Moleksine notieren, dass der Soundtrack von Yo La Tengo stammt und Will Oldham in einer Nebenrolle zu sehen ist. Das alles überstrahlende Stück Musik vom Soundtrack ist allerdings Syreetas "Harbour Love". Schon allein wegen der geduldigen Kamera, die oft wartet bis Personen aus dem Bild sind, um dann ein einfaches schönes Stilleben aus dem amerikanischen Alltag einzufangen, ist "Junebug" einen Besuch wert.

Zu sehen im Rahmen von Volxkino, Wien

 
 
 
 
One Two Three
  Wie eine cholerische Dampfaschine stampft James Cagney durch Billy Wilders "One Two Three", das im Berlin der Nachkriegszeit spielt. Als C. R. McNamara ist er Chef der Coca Cola Werke in West-Berlin und befindet sich in der Bredouille, als plötzlich die Tochter seines Chefs, die sich in seiner Obhut befindet, einen Kommunisten (Horst Buchholz) heiraten will. Mit Reminiszenzen an Ernst Lubitsch, einem rasenden Tempo und Redewendungen, die einem für immer hängen bleiben ("Sitzen machen!") wurde "One Two Thee" trotzdem erst spät Erfolg vergönnt. Der Bau der Berliner Mauer stellte sich dem Film in die Quere, erst Jahre später bei Wiederaufführungen kam "One Two Three" Aufmerksamkeit und Anerkennung zu Gute.

Zu sehen im Leokino, Innsbruck

 
 
 
 
Out of the Past
  Die beiden Königskinder der Kinngrübchen - Robert Mitchum und Kirk Douglas - kann man in Jacques Tourneurs "Out of the Past" auf den ewig verfahrenen Pfaden des Film Noir wandeln sehen. Fantastische Dialoge, die vor Lakonie triefen und Mitchum so cool, dass er sogar auf seiner eigenen Tankstelle die Zündhölzer mit Schlafzimmerblick durch die Gegend pfeffert. Man kann der eigenen Vergangenheit nicht auskommen, auch dann nicht, wenn der genreübliche Moloch Großstadt verlassen wird, denn selbst in der Kleinstadt, ja sogar in den Wäldern und am Fluss geht es unbarmherzig zu. Gangster, Intrigen, mysteriöse Frauen, Trenchcoats und wunderbare Stehsätze. Eine große Empfehlung.

Zu sehen im Rahmen von Kino wie noch nie, Wien

 
 
 
 
Son of Rambow
  Man sollte ja nichts empfehlen, was man nicht selbst gesehen hat, aber bei Garth Jennings "Son of Rambow" wüsste ich nicht, was schiefgehen soll. Will kommt aus einer streng religiösen Familie und freundet sich ausgerechnet mit dem eigenwilligen Lee Carter an, zusammen wollen sie einen Film drehen. Einen Rambodschungelaction-Film. Wahrscheinlich nach "Bugsy Malone" der erste Film seit langem, der mit Kinderdarstellern bezaubern kann.

Zu sehen im Rahmen vom Open Air Kino in Linz

 
 
 
 
Sommerkino Übersicht
  Wien
Kino wie noch nie
Filmcasino Sommerkino
Arena Sommerkino
Naked Cinema
Volxxkino
Kino auf dem Dach
Sommer im Schloss
Stadtkino Wien Kinosommer
Sommerkino im Votiv
Sommerkino Krieau

Filmgalerie 8 1/2 und Weltcafé präsentieren die Filmreihe "espressofilm - Kurzfilm einen Sommer lang im Weltkino 8 1/2", jeden Freitag in Juli, August und September ab 21 Uhr.


 "No Country for old men", zu sehen zB im Arena Sommerkino
 
 
  Niederösterreich
Cinema Paradiso
Open Air beim Kesselhaus
Art Carnuntum Open Air Filmfestival
Filmhof Festival Asparn
Mondscheinkino Eggenburg

Oberösterreich
Sommerkino - gemeinsames Sommerkinoprogramm Linz, Lenzing, Freistadt, Wels
Moviemento

 
 
 
  Steiermark
Sommerkino im Schubertkino
Open Air Kino am Franziskanerplatz

Salzburg
AkzenteSalzburg Kino Open Air

Tirol
Open Air Kino im Zeughaus

Vorarlberg
Poolbar Festival
www.filmforum.at

Kärnten
Volkskino


 "Juno", zu sehen im Volkskino, Klagenfurt
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick