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Wien | 30.8.2008 | 15:19 
Filmflimmern.

Gerlinde, Matthews, Pamela

 
 
Leander Haußmannskost
  Herr Lehmann hatte in dem gleichnamigen Film von Leander Haußmann so seine Hawarie mit der Tatsache, dass er mit "Du, Herr Lehmann" angesprochen wurde. In Haußmanns aktuellem Film "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" hat der Protagonist ebenfalls so seinen namenbedingten Rucksack zu schleppen. Denn zur Vor- und Nachnamenkombination sagt jeder zunächst mal "Ah, wie Bob Dylans bürgerlicher Name." Und jeder glaubt natürlich, er sei der erste.
 
 
 
  Robert Zimmermann ist Game Designer, wohl hauptsächlich deswegen, weil man an dem Beruf im Film so schön das Nicht-erwachsen-werden-wollen durchdeklinieren kann. Und wer könnte besser in die Kapuzenpullover eines ewigen Kindes schlüpfen als Tom Schilling, der mit einer jungenhaften Physiognomie und Ausstrahlung gesegnet ist, wie sie seit Michael J. Fox niemand mehr vorweisen konnte.

 Tom Schilling
 
 
Amour fou
  Durch einen Ketchup-Unfall, der hübsch die Ästhetik und Funktionsweise der virtuellen in die echte Welt transportiert und Robert Zimmermann mit halbkörperbedeckendem roten Fleck wie ein Opfer seines programmierten Egoshooters aussehen lässt, landet er in einer Wäscherei und nach dem üblichen Zimmerman/Dylan-Achja-Haha-Dialog sieht er in die Augen von Monika (Maruschka Detmers). Und ab dem Moment hat ihn die amour fou auch schon am Schlawittel, am nächsten Tag steht er mit Orchideen in der Reinigung, trunken vor Liebe zur 40-jährigen Alleinerzieherin. Eine venezianische Gondel, die von einem Auto vor Monikas Wäscherei vorbeigezogen wird, ist ein schönes Bild für zwei Dinge, die jetzt nicht per Naturgesetz oder Konvention zusammengehören, die sich aber manchmal eben zusammentun.

Und es ist nicht nur Robert, nein, die ganze Familie Zimmermann ist mit Liebeswundern und Liebeswunden beschlagen. Die Eltern beschließen, sich zu trennen und schneller als man Aber Papa sagen kann, sitzen auch schon neue Partner beim sonntäglichen Mittagstisch, dem familiären Schlacht- und Minenfeld.

 Maruschka Detmers
 
 
 
 
  "Vater ist Biker jetzt, Mutter noch schlimmer / Jeden Sonntag gibt's Essen und einer weint immer" fassen Element of Crime das Geschehen zusammen. Und wie so oft, wenn in der filmischen Komödie die Familienmitglieder einander an Spleens/Problemen übertrumpfen müssen, geht das daneben. Da verliert Haußmann ein paar Mal sein Gespür, da stimmt das Timing nicht, da sind die Hinweisschilder für eine bald eintreffende Pointe zu deutlich, als, dass die dann noch funktionieren könnte. Da wird an der Figur der jungen Geliebten von Vater Zimmermann nichts modelliert, so dass sie ein weiterer Klon dieser gerne eingesetzen Figur bleibt, ein fertig gestanztes Klischee ohne Variationen, das ebenso aus einer deutschen Vorabendserie stammen könnte.
 
 
 
Hulk
  Diese inhaltliche und auch formale Inkonsistenz des Films wundert mich bald noch mehr als Robert Zimmermann die Liebe. In manchen Szenen funktioniert alles, in machen möchte man der Kamera die Ohren lang ziehen und ihr sagen, sie solle jetzt nicht krampfhaft originell sein und Bewegung vortäuschen, wo doch die Ruhe soviel mehr wert sei. Der Dialog ist ein verbaler Hulk, grade noch schlängelt er sich geschickt pointiert dahin, dann wieder poltert er ohne Gespür herum, reißt Szenen ein und stampft sie in den Boden.

 
 
  Leander Haußmann erbaut zwei Welten und es ist nicht weiter überraschend, welche er glaubhafter und auch reizvoller inszeniert. Monikas Welt ist ein konserviertes 60er-Jahre Universum mit Schnürlvorhängen, Spieleabenden und einem Freundeskreis, der mit dem Bohème-Lebensstil liebäugelt. So wie Haußmann selbst den Trivial Pursuit-Mitspieler am Wohnzimmerboden in Monikas Wohnung gibt und wie diese Szenen aussehen, weiß man, da zeigt uns einer eine Welt, die er kennt.

Während die Game Designer-Welt und ihr Jargon irgendwo unter Klischees begraben liegen, die manchmal großartig eingesetzt sind und einem dann wieder im Erdboden versinken lassen möchten. Das wirkliche Wunder ist, dass man schließlich, wenn der Abspann einen in die echte Welt schubst, dem Film seine Danebenhauer nicht übel nimmt. Nichtmal den mit dem Dalai Lama. Nichtmal den mit Art Garfunkels Sohn.
 
 
 
Herr Adenauer uriniert bei euch im Garten
  Und jetzt sagt ihr: Ein Haußmann-Film ganz ohne, dass jüngere deutsche Geschichte ins Spiel gebracht wird? Aber nein. Im Hause Zimmermann nämlich werden immer wieder mal Räume vermietet für Dreharbeiten für einen Film über Konrad Adenauer, das bringt einen ungewohnten Hauch Loriot in den Film (und gibt Haußmann die Chance, gleich noch eine Rolle im eigenen Film zu spielen).
 
 
 
 
 
Sven statt Bob
  Herr Dylan, von dem im Film dann doch immer wieder mal die Rede ist (wie überhaupt das Reden über Dylan gar kein Ende zu nehmen scheint momentan), kommt musikalisch nicht zu Wort. Da gabs ein Quirks mit den Rechten und das muss eine Schicksalsfügung gewesen sein, denn vielleicht hätte es sonst keinen Titelsong von Element of Crime gegeben. "Ein Hotdog unten am Hafen" macht Lyrics unterstreichen wieder mal sinnlos, weil jedes Wort trifft und sitzt und stimmt. So schön, dass man weinen möchte. Ach, was sag ich, so schön, dass ich geweint habe.
 
 
 
Wer den Schilling nicht ehrt
  Es ist die leichte Verzweiflung, die Tom Schilling zu Höchstformen auflaufen lässt, das konnte man in "Verschwende deine Jugend" sehen, wo er als Harry Foyer versuchte, DAF nach München zu bringen und das kann man auch in "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" sehen. Mit einer Anti-These zu Method Acting hat Schillings Aufstehen nach jedem Mal, wenn es ihn auf die Nase geschmissen hat, fast was von Stummfilmkomikern, um das weiß auch Haußmann und lässt ihn slapstickgleich gegen eine Ampel laufen. Gegen eine, die gar nicht da ist. So gut ist Schilling nämlich, dass er sogar das kann.

 
 
Tom Schilling im Interview-Podcast
  Schauspieler Tom Schilling im Interview mit Mari Lang über "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe", neue Filmprojekte und ob Tanzen jetzt tasächlich überbewertet ist.



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  www.robert-zimmermann-derfilm.de

Interview mit Leander Haußmann
Regisseur Leander Haußmann war am 27. August zu Gast am Privatstrand bei Gerald Votava. Die Sendung gibt es hier zum Nachhören.

Du, Herr Lehmann
Martin Blumenau über die Verfimung "Herr Lehmann"
   
 
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