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Wien | 19.9.2008 | 12:32 
Filmflimmern.

Gerlinde, Matthews, Pamela

 
 
Puppele, Rominette, Rosemarie
  Als Romy Schneider 1962 in Luchino Viscontis "Il lavoro", Teil des Episodenfilmes "Boccaccio '70", dem Publikum ihren nackten, nassen Rücken entgegenhielt, da wollte sie sich endgültig die "Sissi" abwaschen. Schluss mit rollenden Rs und Rehlein-Romantik, Schluss mit operrettenhafter Märchenoptik im historischen Reifrock-Gewande, mit der sich Österreich auf der Leinwand eine Vergangenheit schönmalte, um sich nicht mit der noch allzu nahen Vergangenheit zu beschäftigen. Einzig der Name Pupe erinnert noch an das Puppele, wie sie genannt wurde, und das Image, das sie abzuschütteln versuchte.
 
 
 
Weg von Sissi
  Dass das süße Mädl Romy dann nach Frankreich ging und Rollen abseits des TralalaHopsassa-Genres suchte, wurde ihr von der deutschen und österreichischen Presse übel genommen. Sie dreht "Christine" und spielt Theater unter der Regie von Visconti. Es folgt eine Affäre mit dem als wilden Racker verschrieenen Alain Delon, von der alle murmeln, dass das kein Gutes Ende nehmen würde. Eines Tages wird Romy einen Zettel am Küchentisch finden, auf dem steht, dass er mit Nathalie auf dem Weg nach Mexiko ist. Überhaupt: Geschriebenes zieht sich durch Romy Schneiders Leben, auf Fotos kritzelt sie Grüße an die Mamsch, Tagebuch führt sie ab dem 13. Lebensjahr, sie schreibt Briefe an Heinrich Böll, die sie nie abschickt, den Zettel ihres Vaters, auf dem steht "Nimm deine Kindheit und steck sie in deine Tasche, sie ist alles, was du hast", wird sie ein Leben lang bei sich tragen. Ihrem guten Freund Helmut Berger (meine Schwester nannte er sie) steckt sie ebenfalls immer wieder Zettelchen zu, auf einem ist ein weinendes und ein lachendes Herz zu sehen und darunter steht "C'est la vie".

 
 
Ehe und Rückkehr zur Leinwand
  Das lachende Herz kam oft zu kurz in Romy Schneiders Leben, egal wie groß der Erfolg, wie gut die Kritiken waren, sie verfolgen Selbstzweifel, sie versinkt in Depressionen, greift zu Alkohol und Tabletten. "Auf der Leinwand kann ich alles, im Leben kann ich nichts", sagt sie über sich selbst. In der Ehe mit Harry Meyen probiert sie die Flucht von der Filmwelt, will Mutter und Ehefrau sein, doch in der Ehe kriselt es, in ihr Tagebuch schreibt sie "Er wollte immer Professor Higgins sein , und ich sollte seine Fair Lady sein - damit konnte ich nicht länger leben." Triumphierend kehrt sie in "Der Swimmingpool" an der Seite von Alain Delon auf die Leinwand zurück und wird erneut zur französischen Ikone.

 "Der Swimmingpool"
 
 
Sautet und Komödie
  In Regisseur Claude Sautet trifft Romy Schneider einen Freund und Weggefährten - und vielleicht auch einen Vaterersatz. Fünf Filme wird Sautet mit Rominette, wie er sie nennt, machen. Frankreich liegt ihr zu Füßen, die deutsche Presse nennt sie eine Abtrünnige, als sie in "Das Mädchen und der Kommissar" eine Prostituierte spielt. Man ist immer noch beleidigt, das die goldige Sissi das Land verlassen hat. Romy Schneider sucht Rollen, die am anderen Ende der Süßheits-Skala angesiedelt sind und spielt Mörderinnen, Porno-Darstellerinnen und eine inzestuöse Mutter.

Zum Lachen gibt es meist wenig, wenn ihr Name in einem Vorspann auftaucht, nur US-Regisseure setzen sie in Komödien ein. In "What's new pussycat", dem charmanten Wirrwarr um Liebe, Heirat und Psychoanalyse, ist sie an der Seite von Peter O'Toole, Peter Sellers und Woody Allen zu sehen, in "Good Neighbour Sam" leiht sie sich Jack Lemmon als Mann aus. Zwar ist letztgenannter Film kein Meisterwerk, eine in einer "verliebt in eine Hexe" artigen Vorstadt angesiedelten Komödie, die gern ein Billy Wilder Film wäre, doch es ist schön und eine Abwechslung, Romy Schneider lachend durchs Wohnzimmer tanzen zu sehen, mit einem rohen Stück Steak in der Hand.



 "Das Mädchen und der Kommissar"
 
 
Das Herz bleibt stehen
  Ab 1979 folgten die schwersten Schicksalsschläge für Romy Schneider. Ihr ehemaliger Ehemann Harry Meyen begeht Selbstmord, die Ehe mit Daniel Biasini geht in die Brüche und 1981 verunglückt ihr Sohn David. Am 29. Mai 1982 stirbt Romy Schneider an einem Herzstillstand; unter ihrem bürgerlichen Namen Rosemarie Albach liegt sie in Boissys sans Avoir begraben. Das cineastische Herz der Welt hat aber niemals aufgehört, für la Schneider zu schlagen, immer wieder wird sie in Frankreich zur beliebtesten Schauspielerin gewählt, immer wieder taucht die Romy im österreichischen Wehnachtsfernsehprogramm zumindest als Sissi am Bildschirm auf.

Nach Marlene Dietrich und Hildegard Knef hat Deutschland wieder eine Grand Dame hervorgebracht, schrieben die Zeitungen, als Romy Schneider auf der Leinwand auftauchte. Da auch schon die Leben der beiden zum Vergleich herangezogenen zum Mythos gewordenen Schauspielerinnen verfilmt wurden ("Marlene" von Josef Vilsmaier und "Hilde" von Kai Wessel, filmtiteltechnisch nähert man sich den überlebensgroßen Diven gerne beim Vornamen), ist jetzt Romy an der Reihe.

 
 
Yvonne Catterfeld als Romy
  Dass momentan zwei Filmproduktionen sich ihres Lebens annehmen, die sich wohl dem simplen Anekdoten-Nachspielen widmen werden, mutet bitter an, angesichts der Filmografie Schneiders, die mit ihrer Rollenwahl immer wieder Herausforderungen suchte. Weil nur wenige filmische Annäherungen an Künstler-Biografien sich den gewohnten Weg verlassen trauen, so wie "I'm not there" und "The Life and Death of Peter Sellers", werden hier wohl Jessica Schwarz und Yvonne Catterfeld in Produktionen zu sehen sein, die schließlich mit Romy Schneider soviel zu tun haben werden, wie "Sissi" mit Kaiserin Elisabeth.
 
 
 
Retrospektive
  Am 23. September 2008 wäre Romy Schneider 70 Jahre alt geworde, das Filmarchiv Austria bietet die Möglichkeit, sich ihr umfangreiches Schaffen zu Gemüte zu führen. Bis 7. November läuft die Retrospektive, von Helmut Käutners "Monpti" bis zu Schneiders Swinging London Ausflug in "Otley", von "Sissi" bis "Nachtblende".

Das zur Filmreihe erscheinende Buch, herausgegeben von Karin Moser, widmet sich der Schauspielerin und dem Mythos Romy Schneider, beleuchtet unter anderem ihre französischen Filme, ihren Ausflug nach Hollywood und schließlich das nicht beendete Projekt "Die Hölle" von Henri-Georges Clouzot. Wir verlosen zwei Stück von dem sehr empfehlenswerten Buch "Romy Schneider Film. Rolle. Leben", wer an der Verlosung teilnehmen will, muss nur folgende Frage beantworten: Unter wessen Regie war Romy Schneider in einer Kafka-Verfilmung zu sehen?

Die richtige Antwort: Orson Welles ("Der Prozess")

Die GewinnerInnen wurden bereits via E-Mail verständigt

 
 
Zum Geburtstag: Romy Schneider Filme im ORF
  Der ORF zeigt am 20. September das Internatsdrama "Mädchen in Uniform" (13.10, ORF2), am 21. September Schneiders Filmdebüt (an der Seite von Götz George und ihrer Mutter Magda Schneider) "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" (14.10, ORF2), die Dokumentation "Romy - Eine Frau in 3 Noten" (23.00, ORF2) und anschließend "Der Swimmingpool", in dem sich Romy Schneider gemeinsam mit Alain Delon, Jane Birkin und Maurice Ronet in Südfrankreich dem Müßiggang hingeben, bis sich die erotischen Verstrickungen verkomplizieren und in einem Mord enden.

 "Mädchen in Uniform"
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  www.filmarchiv.at
Romy Schneider Werkschau 11. September bis 15. Oktober und 30. Oktober bis 7. November im Metro Kino, Wien
   
 
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