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Wien | 28.9.2008 | 21:13 
Filmflimmern.

Gerlinde, Matthews, Pamela

 
 
Yippiyayee Schweinenase
  Bei Penelope aus der griechischen Mythologie standen die Verehrer Schlange, sodass die Begehrte und Ehefrau des Odysseus vorschob, des Nächtens mit dem Weben eines Totentuchs beschäftigt zu sein. Penelope aus dem gleichnamigen Film kann ebenfalls mit einigen Herren aufwarten, die im Haus der Adelsfamilie Wilhern auf eine Audienz mit der Tochter warten - in Hoffnung auf das nicht unbeträchtliche Erbe. Aufgereiht von der hysterischen Mutter (Catherine O'Hara) stehen sie sich zuerst die Beine in den Bauch, um sie dann in die Hand zu nehmen, sobald sie Penelope zu Gesicht bekommen.
 
 
 
Eine Nase, mein Lieber, eine Nase
  Denn auf der jungen Aristokratin liegt ein Familienfluch, der ihr eine Schweinenase ins Gesicht gepflanzt hat, der Fluch kann nur gebrochen werden, wenn one of her kind sich in sie verliebt. Den Prince Charming, der laut Märchen-Ablauf früher oder später auf den Plan treten muss gibt James McAvoy im schäbigen Jackett, herrlich unfrisiert und macht mit amerikanischem Akzent das Beste aus seiner Rolle, die nicht viel zu geben hat. Der zweite Brite, der mit US-Akzent herrlich blasiert mit den Augendlidern auf Halbmast durch den Film schippert, ist Richard E. Grant als Penelopes Vater und ruhiger Gegenpol zu Catherine O'Hara als überdrehter Mutter.

 Christina Ricci als Penelope
 
 
Fantasielos
  Ebenfalls unterbeschäftigt in der Fantasielosigkeit von "Penelope" ist Christina Ricci, die man in so viel fordernderen Rollen erlebt hat, dass einem die Schweinenase - mit der Ricci immer noch bezaubernd aussieht - zunächst mal gar nicht wirklich so störend auffällt - der Reißaus der entsetzen Blaublütler ist jedenfalls eine hysterische Überreaktion. Ein weniger zögerlich-vorsichtiger Maskenbildner hätte hier vielleicht ein kleines Wunder vollbringen können, doch "Penelope" fehlt auch hier der Mut, die Parameter einer "echten Welt" hinter sich zu lassen und sich in märchenhafte Welten und Bilder zu begeben. (Vielleicht wäre ein Animationsfilm die bessere Wahl gewesen, denn dort, siehe "Shrek", funktioniert eine Figurendarstellung ein wenig abseits geläufiger Schönheits/Hässlichkeits-Vorstellungen).

Die Verschränkung zwischen der Märchenwelt, in der Flüche und Schweinenasen möglich sind und der "echten" Welt mit Bars, Straßen, Autos, Häusern, Zeitungsredaktionen funktioniert weder visuell noch erzählerisch - da nützt es auch nichts, dass im Hause Wilhern jede Menge alte Telefone mit Wählscheiben herumstehen und in Penelopes ausgebautem Dachgeschoß eine Schaukel Marke "Romantik" von der Decke hängt.

 Peter Dinklage
 
 
Kein Burton
  Regisseur Mark Palansky macht keinen Hehl daraus, in wessen Regisseurs Fußstapfen er sich positionieren möchte, "Penelope" schielt mit Märchen-Ingredienzen in Richtung Tim Burton, der jedoch würde sich sicherlich lieber jedes Haar aus dem wirren Schopf einzeln auszureißen, als mit der Mogelpackung namens "Penelope" in Verbindung gebracht zu werden. Denn knorrige Bäume, ein paar Seifenblasen, ein phasenweise detailreiches Set-Design in aufgedrehten Farben und ein kleinwüchsiger Journalist mit Augenklappe (Peter Dinkelage) machen aus einer romantic comedy aus der Blaupause noch keinen guten und schon gar keinen Burton-Film; da fehlt die Düsternis, das Verschrobene und die Burton'sche Romantik, die den Blick in den Abgrund nicht scheut.

 James McAvoy
 
 
Witherspoon auf der Vespa
  "Penelope" ist nicht nur Palanskys Regie-Debüt sondern auch Reese Witherspoons erstes Projekt als Produzentin. Witherspoon spielt auch eine kleine Rolle im Film - angenehm kontrastiert zu ihren sonstigen Rollen trägt sie Lederjacke und dunklen Lidstrich und fährt Vespa; die wenigen Szenen zwischen ihr und Ricci vermitteln einem auch den Eindruck, dass es da mitten im Film noch einen ausführlichen Freundschafts-Plot gegeben hätte, auf den dann im Schnitt vergessen wurde. Denn so schnell wie Witherspoons Annie auftaucht und neben Penelope geschoben wird, ist sie auch wieder verschwunden, ein Schicksal, dass auch James McAvoy im Film widerfährt, nur taucht der dann schließlich doch nochmal auf. Sein seltsamer Weg durchs Drehbuch wirkt zurechtgebogen, um doch noch eine Szene mit Russell Brand herauszuschlagen.

 Reese Witherspoon
 
 
Thing Pig
  Mit der Schweinenase will sich "Penelope" verkleiden, eine Tarnkappe aufsetzen, die den ungewöhnlichen Indie-Stempel vortäuscht, um zu verbergen, dass es eine nicht weiter interessant gestrickte Geschichte ist, in der ein Mensch zu sich und zwei zueinenander finden müssen.

Und als würde die Botschaft der "inneren Schönheit" nicht ohnehin während des Films mehrmals durchaus überstrapaziert, lässt Drehbuch-Autorin Leslie Caveny, die bisher für die Sitcom "Everybody loves Raymond" tätig war, am Ende auch noch die Moral von der Geschichte von kleinen Kindern ausformulieren - das ist genauso unnötig wie die begleitenden voice over Texte, die keine zusätzliche Ebene einfügen, sondern nur beschreiben, was wir ohnehin schon sehen. Aussehen wollen wie alle anderen und Zweisamkeit als angestrebtes Ziel, das Erlösung bringt: "Penelope" ist die weit weniger amüsante "Bridget Jones"-Variante mit einem Rüssel.

"Penelope" läuft seit 25. September 2008 in den österreichischen Kinos

 Ein schaler Film
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  www.penelopethemovie.com
   
 
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