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Wien | 15.12.2008 | 11:39 
Filmflimmern.

Gerlinde, Matthews, Pamela

 
 
Once in a Wifetime
  Multiplex-Scharlatane reiben sich die Hände und locken mit "Besuch den Film mit deinen Freundinnen und bekomm ein Glas Prosecco"-Anzeigen für "The Women". Nun, ein Glas Prosecco reicht nicht wirklich aus, um "The Women" durchzustehen, aber vielleicht könnte man ja ein Schnapsfass im Kinosaal aufstellen und Kellen verteilen.
 
 
 
The Female Of The Species
  Wenn ich augenverdrehend in Remake vs. Original-Diskussionen Neuversionen verdonnere und mit Lehrer Lämpel-Zeigefinger auf das Original verweise, hör ich oft, dass, wenn man ebendas nicht kenne, das Remake gar nicht mal so übel sei. Nun, an der Stelle zweifelhafte Glückwünsche an Regisseurin Diane English, denn "The Women" ist garantiert auch schrecklich, wenn einem George Cukors Original aus dem Jahr 1939 noch nicht untergekommen ist. In Cukors "The Women" schnattert, schimpft und kratzbürstet sich eine Damenriege durch mehr als zwei Stunden Laufzeit, jeder Satz ein Genuss, das Sprachtempo auf Nurmi-Niveau und bis zum Beistrich durchformulierte Bosheit. Bereits seit den 1970er Jahren sind immer wieder Remake-Pläne auf- und wieder abgetaucht, letzteres wohl auch deswegen, weil ein nur mit Frauen besetzter Film in dem doch meistens auf das adoleszente männliche Publikum schielende Hollywood, reines "Kassengift" bedeutete.

 Joan Crawford, Norma Shearer, Rosalind Russell
 
 
George Cukor inmitten seiner fast talking dames
 
 
Goog Girl und Spritzer Girl
  Drehbuchautorin Diane English hat langen Atem bewiesen und nach 14 Jahren, in denen das Projekt immer wieder gestoppt wurde, nun "The Women" in die Kinos gebracht. Vor 14 Jahren genoss Meg Ryan noch ihren all american girl Status und stolperte mit groß aufgerissenen Augen und leichter Patschhertheit als Kumpelfrau durch zahllose romantic comedies. An diesen Meg Ryan Status versucht "The Women" anzuschließen und zeigt sie, die unkomplizierte liebenswerte Frau, filmeingangs beim Gartenarbeiten im Schlabberleiberl und mit einer Sarah Jessica Parker Gedächtnis Frisur: Mary Haines hat alles, was auf der Cosmopolitan-Chekliste dringend ein Hakerl braucht: Einen guten Job (Mode-Designerin), einen gutverdienenden Mann, ein schönes Haus, eine Tochter, zwei Hilfen im Haushalt und Freundinnen. Nun, die Idylle bekommt einen hässlichen Sprung, als sich rumspricht - und es Mary schließlich bei der Maniküre als letzte erfährt, dass Mister Haines eine Affäre hat. Mit einer Parfum-Verkäuferin, einem spritzer girl, verkörpert von Eva Mendes, die das schwerste Los gezogen hat und hüftwackelnd in Joan Crawfords Fußstapfen schlingert.

 Meg Ryan
 
 
Krise als Chance
  Ist die Affärenkatze erstmal aus dem Sack, wird von Marys Freundinnen Beistand bewiesen, die Ehebrecherin unter die Lupe genommen und schließlich ihre Situation von Mary als "Krise als Chance" ergriffen. In Nebenrollen vergeudet werden nicht nur Candice Bergen als resolute Mutter Haines (die im Original den bemerkenswerten Satz "Well, cheer up, Mary; living alone has its compensations. Heaven knows it's marvelous being able to spread out in bed like a swastika" von sich gibt) sondern auch die viel zu selten in sehenswerten Filmen besetzte Cloris Leachman.
 
 
 
Botox
  Regisseurin Diane English, die das Original als "poison pen letter to society women" beschreibt und fortfährt, dass ihre Version mehr ein "love letter" sei, hält ihr Versprechen. Hier wurde soviel Weichspüler verwendet, dass nichts mehr beisst und nichts mehr kratzt: Zahnlos schmiegt sich belanglose Szene an belanglose Szene, in denen hauptsächlich sehr viel Verständnis gezeigt wird und eine ganze Palette an Klischees vor den Vorhang gebeten wird. Da wird in der gemütlichen Hose am Sofa bei einem Glas Rotwein geweint und Taschentücher aus der quadratischen Kartonschachtel gezupft, dann neue Unterwäsche als Teil des "starker Frauenphönix aus der Beziehungskatasrophenasche"-Plans gekauft und schließlich kommt eine neue Frisur auf den Ryan-Kopf, wenn die Trennung halbwegs verarbeitet ist.

 Eva Mendes
 
 
Sitcom und Botox
  Visuell ist der Film so wenig aufregend wie seine Dialoge und wirkt in seiner Inszenierung wie eine viel zu lange Sitcom-Folge, bei der man vergessen hat, die Lacher einzufügen und die dann aus Versehen auf der großen Leinwand gelandet ist. Einzig passend bewegt sich Debra Messing in dem sitcom-artigen Umfeld, weil sie genügend gespielter Witz-Erfahrung aus jahrelangen "Will and Grace"-Dreharbeiten mitbringt. Wirklich lustig ist es, wenn Candice Bergen im Restaurant etwas über einen schlechten Botox-Job sagt und man erschrocken flüstern möchte "Candice, Meg kann dich hören.". Die Anspielungen über Schönheitswahn und -OPs hätte man eventuell angesichts Meg Ryans inzwischen weitgehend mimikfreien Gesicht adaptieren müssen.

 Meg Ryan, Annette Benning
 
 
Crazy little thing called Dove
  "I've had two years to grow claws - Jungle Red ones!" sagt Norma Shearer als Mary Haines im Original. Diane English hat "The Women" alle Krallen gezogen und die Zähne gleich noch dazu. Das Drehbuch bemüht um ein Zeitgeist-Update hat allerlei reinreklamiert, ein Magersucht-Model-Seitenhieb hier, ein Celebrity-Cellulite-Einzeiler da, doch der Bosheit, des Kampfgeistes und der Spitzfindigkeit beraubt macht der Film seine Figuren zu Stepford Wives, die zwischen zwei Pfaden wählen können: Wenn man nicht im Mutterdasein aufgeht wie Debra Messings Figur, bleibt einem der Konsum. Einkaufen wird zur Religion und Therapie erhoben, wer im Bauch kein Baby vorweisen kann, stählt ebendiesen im Fitnesscenter.

Schönheitsproduktriese Dove hat den Film mitfinanziert, als Dankeschön gibts Product Placement bis man sich die Augen mit Seife auswaschen möchte. Dass Mick Jaggers Filmproduktionsfirma ebenfalls Geld fließen hat lassen, um die Produktion zu finanzieren, legt den Verdacht nahe, dass nicht nur Keith Richards eine Kokosnuss auf den Kopf geknallt ist.

"The Women" läuft seit 12. Dezember in den österreichischen Kinos, George Cukors "The Women" (1939) ist auf DVD erhältlich"

 Damit nicht nur gematschkert wird: Das Teaser-Plakat zu "The Women" mochte ich
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  www.thewomenthemovie.com
   
 
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