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Wien | 3.11.2006 | 12:31 
Flaschendrehen und Tischerlrücken, Schmerzenhören und Seelebrennen, garniert mit einem Hauch von Zimt.

Fuchs, Pfister

 
 
Abschied von Hannes Strasser
  In den Worten von Hannes Duscher und Karl Fluch.

Heute Freitag findet am Stadtfriedhof, Bruck a.d. Mur, das Begräbnis von Hannes Strasser, Sänger und Gitarrist von Roter Stern Silberstern und Gitarrist bei Fuzzman, statt.

Hannes ist vor einer Woche völlig überraschend und unerwartet von uns gegangen.

Zwei meiner Kollegen nehmen Abschied, in ihren eigenen Worten:
 
 
 
"It's more to the picture than meets the eye" (Neil Young)
  Hannes Duscher (When The Music's Over / FM4):

Es ist mittlerweile etwa fünf Jahre her, als ich einem Bauchgefühl folgend ins Wiener Gasthaus Vorstadt pilgerte, um mir die junge österreichische Band Silberstern anzuschauen. Der Gig war keine fünf Minuten zu Ende und ich hatte draußen im Gastzimmer wieder bei meinen Freunden Platz genommen, als mir ein Typ aus dem Publikum zu meinem Auftritt gratulierte. Ich kam in keine große Verlegenheit, schließlich hatten mir ja sämtliche Menschen an meinem Tisch bereits vorher vermittelt, dass der Typ auf der Bühne ausschaue wie ich, und klärte meinen vermeintlichen Fan kurzerhand auf.

Das war der Anfang einer echt innigen Freundschaft mit Hannes Strasser, die einfach gesprochen auf dem selben Glaubensbekenntnis beruhte: Wir haben eine Band, wir schreiben Songs und darum kreist der gesamte Kosmos. Genauere Definition: Wir haben beide eine Gitarrenband, wir stehen auf die selben alten (Sonic Youth, Nirvana, Quotsa...) und neuen (Strokes, Arctic Monkeys, Babyshambles, Bloc Party ...) Combos und in jedem zweiten Satz kommt das Wort Rock and Roll vor.

Und jetzt ist der Hannes so mir nix dir nix einfach nimmer da. Einfach gegangen. Völlig absurd.

Wir haben ja viel geredet über alles und bald war das mit dem Band- und Rock and Roll Zeugs (quasi als Streichresultat auf beiden Seiten) nur mehr Einleitung zu hintergründigeren Betrachtungen und - wie ich es nennen würde - schönen Aufschlüsselungen, was halt menschlich so hinter den Fassaden steckt und wie's einem wirklich geht. Beim Musikmachen und natürlich auch beim Leben.
 
 
 
  Hannes Strasser war ein extrem hilfsbereiter Mensch, von dem ich sehr viel gelernt habe und der mir sein Wissen über Musik, sprich Gitarren, Verstärker, Aufnehmen und Verlage ohne Hintergedanken weitervermittelt hat, so dass ich es am Anfang gar nicht glauben konnte. Und da er dafür gelebt hat, hat er einiges gewusst. Schließlich war er ja nicht nur Sänger/Songwriter bei Roter Stern Silberstern, sondern auch Gitarrist bei Fuzzman, hat bei Nada Surf an der Gitarre ausgeholfen, hat für Christl Stürmer einen Deutschland-Hit geschrieben ("Engel fliegen einsam") und hat auch für meine Band zwei Songs produziert.

Was mir aber vor allem am Herzen liegt und was ich sagen will, ist, dass der Hannes ein lieber, großartiger Mensch war. Und dass ich an das denke, wenn ich an ihn denke. Und dass mir dieses Rock and Roll-Image, das ihm auch sehr viel bedeutet hat, nun nichts mehr bedeutet. Gar nichts mehr seit dem 26. Oktober.

I have lost a friend. A great one.
 
 
 
Für Hank
  Karl Fluch (Der Standard)

"Nothing's ever real until it's gone" (Too Far Down, Hüsker Dü)

Den Hank kannte ich schon ewig. So lange, dass ich gar nicht mehr weiß, ob nur ich immer Hank zu ihm gesagt habe, oder ob das so etwas wie ein allgemein gültiger Spitzname war. Der Hank, der eigentlich Hannes Strasser hieß, trat als kleiner Bruder vom Alex in mein Leben, als ich selber noch eine Kaulquappe und nach drei Bieren betrunken war. Das ist lange her, war in der Steiermark und neben Bier war Musik eine weitere Möglichkeit die provinzielle Enge auszublenden.

Dass das auch beim Hank so war, erfuhr ich erst, als in seinem früheren Milchgesicht plötzlich Haare wuchsen und wir uns in Wien immer öfter bei Konzerten über den Weg liefen. Ich kann nicht behaupten, dass wir Freunde waren, aber wir haben uns sicher gemocht. Deshalb haben wir fast immer gequatscht, wenn wir uns getroffen haben. Oft fiel dabei das Wort Prost. Was uns verband, war neben der selben Geburtsstadt und seinem Bruder das wortlose Verständnis von zwei tendenziell Gleichgesinnten, die die Provinz hinter sich gelassen haben, aber beim Erblicken des jeweils anderen daran erinnert wurden, dass man eigentlich aus dem selben Stall kommt. Das kann einem bei manchen Leuten unangenehm sein, bei uns war's nicht so.

Dass Hank ein Rock'n'Roller war, wusste ich schon, bevor ich erfuhr, dass er eine Band hatte. So wie er angezogen war, wirkte er, als sei Kurt Cobain in der steirischen Provinz wieder auferstanden. Blond war er auch noch. Die Band, mit dem seltsamen Namen Roter Stern Silberstern habe ich nur einmal live gesehen. Obwohl ich ihre CD kannte - Hank hat sie mir bei einem unserer zufälligen Treffen im Cabaret Renz zugesteckt - war ich live von ihrer Wucht überrascht und angetan - auch wenn ich für mich den Schlagzeuger wegen seiner Frisur optisch immer ausblenden musste, sorry.
 
 
 
  Vor einem Jahr haben wir uns bei der Fuzzman-Release-Show im Chelsea das letzte Mal gesehen. Er spielte in der Liveband vom Fuzzman mit. Es war ein super Abend und eine geile Show, weil jede Band, in der der Klammer Richie mitspielt, hat live schon gewonnen. Alle in der Band trugen diese Fuzzman-Oma-Hauben und hatten einen Riesenspaß. Vor oder nach der Show, weiß nimmer genau, quatschten wir dann noch kurz, nett wie immer. Dann habe ich nicht mehr viel von ihm mitgekriegt, ihn nicht mehr getroffen.

Ich wusste bloß, dass er ein paar Songs für die Christl Stürmer geschrieben hat, unter anderem einen, für den sie dann einen Amadeus-Staubfang gewonnen hat. Dann kam irgendwann ein Mail von ihm mit der Info, dass er seinen Job geschmissen und eine neue Mailadresse hätte.
 
 
 
  Vorgestern kam ein weiteres Mail. Das von seinem kleinen Bruder, in dem dieser mitteilte, wann und wo das Begräbnis vom Hannes, vom Hank, stattfinden würde. Er habe sein Leben letzten Donnerstag beendet, stand darin. Ich weiß nicht warum und wie und was, ich weiß nicht mal, wie alt er war. So wenig kannte ich ihn, und trotzdem geht's mir nahe.

Und weil das schon über eine Woche her ist und ich nirgendwo etwas gehört oder gelesen habe, hab ich den Trishes vom FM4-Soundpark angemailt. Beim Soundpark-Fünfjahresfest letzten Donnerstag im WUK hätte Hank mit den Fuzzmännern spielen sollen. Hat er aber nicht. Und weil so ein stilles Verschwinden auch nicht zur Musik von ihm gepasst hat, wollte ich schreiben, was da jetzt eben geschrieben steht.

Ich hoffe, dass niemand von denen, die ihn besser kannten als ich, die seine wirklichen Freunde waren, das als anmaßend empfinden.
 
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  FM4 Soundpark Mixtape #5
Gimme Shelter - ein Mixtape im Gedenken an Hannes Strasser.
   
 
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