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Wien | 16.7.2007 | 20:09 
Flaschendrehen und Tischerlrücken, Schmerzenhören und Seelebrennen, garniert mit einem Hauch von Zimt.

Fuchs, Pfister

 
 
Zeitgeist
  Die 90erJahre.
Die Menschen telefonieren zum Großteil noch mit herkömmlichen Festnetz-Telefonen, von Castingshows ist kaum die Rede, Kruder&Dorfmeister spielen den Soundtrack zur FM4 Gründung, Franz Vranitzky und Bill Clinton regieren die Welt.

In der Erbfolge Nirvanas rittert eine Handvoll Bands um die neue Vorherrschaft im Rockolymp.
Ganz vorne mit dabei: Ein schlacksiger "weirdo" names Billy Corgan und seine Band.
Die Smashing Pumpkins.
 
 
 
born of love and cast in light...
 
 
  Natürlich waren auch die 90er Jahre ein Jahrzehnt mit Licht und Schatten, Gold und Müll.
Doch keine andere Rockband, vielleicht mit Abstrichen noch Soundgarden, erzielte ähnlichen Konsens wie Corgans Kürbisse.

Umso härter trifft die Fangemeinde die Auflösung der Chicagoer Band am Anfang des neuen Jahrtausends.
Mit Zwan machen Corgan und Drummer Jimmy Chamberlain zwar weiter, doch irgendwann beschließt man die alten Smashing Pumpkins wieder auferstehen zu lassen.
"Ich wollte meine Band zurück, meine Songs und meinen Traum", so Billy vor knapp zwei Jahren.

Freilich aber erneut ohne die Gründungsmitglieder D'Arcy und James Iha.
Die konnten Corgans diktatorische Egomanie-Ausbrüche weder im Studio noch auf Tour länger ertragen.
Einzig Original Drummer Chamberlain hält Corgan noch immer die Treue und ist auch an der Produktion der neuen Songs beteiligt.

Am 7. Juli, nach 7-jähriger Pause erscheint ein neues Pumpkins Album.
Zeitgeist.
Und so gespannt die Kritiker vor dem Erstkontakt waren, so gespalten sind sie im Anschluss.
 
 
 
  Bereits als am Novarrock zum ersten Mal das neue Pumpkins Material auf ein breites Publikum losgelassen wird, ist klar, das Comeback wird kein Spaziergang.
Zuviel Zeit ist vergangen, die Neunziger sind vorbei und der Rock hat sich seitdem mehrere Male gehäutet.

Mittlerweile stehen 18jährige männliche Magermodels mit dem Styling der New York Dolls auf der Bühne und erfinden Iggy Pop zum 19. Mal neu.

Billy Corgan schert das einen Dreck.
Er scharrt die seinen um sich und gibt ihnen was sie wollen und brauchen.

Smashing Pumpkins Sound.

Die anderen trollen sich eben woanders hin.
Am Novarock war "woanders" zufällig Billy Talent.
Geschenkt.
 
 
 
...don´t you know we cannot die...
 
 
  Der Zeit ihren Geist und dem Geist seinen Fetisch. Für Billy Corgan war das unter anderem schon immer Untergang und Endlichkeit. So zeigt das Booklet von Zeitgeist gleich mal Paris Hilton vor einer atomaren Explosion. Nur um schnell jedem Missverständnis vorzubeugen.
Und der Opener Track bläst ins gleiche Todes-Horn:

"Ah, it's lonely at the top
These lonely days when will they ever stop?
This doomsday clock
Ticking in my heart
These lonely days when will they ever stop?
This ticking in my heart
Is everyone afraid?"
 
 
 
  Schon mit der Single "Tarantula" haben die Smashing Pumpkins klar gemacht, wo es musikalisch hingehen soll. Das hier, meine Damen und Herren, ist ein 1A riffbased Rockalbum.

Eins, zwei, drei und vier.

Ähnlich experimentell wie ein Fleischlaberl.

Und dazu schraubt sich Corgans unverwechselbares Organ durchs treibende Riffgewitter.
Das ist altmodisch, unoriginell und - herrlich.
 
 
 
...we are stars, we are.
 
 
  Fazit: Es gibt wichtigere Grundbotschaften, innovativere Konzepte, spannendere Arrangements und hippere Outfits als jene des neuen Albums der Smashing Pumpkins "Zeitgeist".

Corgan prügelt als weißgewandeter Guru, irgendwo zwischen Baghwan und TV Prediger, seine hypnotischen Musiken durch die Platte und bewegt sich dabei keinen Millimeter.

Der Vorwurf der "Blutleere" wird gerade Billy Corgan wohl auch wenig kratzen.

Und wer mit der guten alten RiffRocknRoll Schule auch nur einen Finger breit irgendwas anfangen kann wird sich dem Charisma der Platte nicht lange entziehen können.

Alle anderen sollen entweder ihre 90er Fotoalben durchblättern oder Platten von Art Brut kaufen, falls sie auf Art Rock stehen.
 
 
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