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Wien | 19.9.2007 | 14:31 
Flaschendrehen und Tischerlrücken, Schmerzenhören und Seelebrennen, garniert mit einem Hauch von Zimt.

Fuchs, Pfister

 
 
Aum Namah Narayana
  Be content in your questions
but may i just mention
you're only a drop in the sea.
 
 
 
  Als mich jüngst Oliver Stones "Doors"-Film zum wiederholten Male aus dem Fernseher angesprungen ist, hatte ich ihn wieder deutlich vor mir, den Sperrzaun zwischen Hippie-Affinen und Hippie-Hassern.

Nicht, dass heute noch viele urbane Jungmenschen in die Wüste fahren, um mit Eidechsen zu reden, oder es gar wagen, Hermann Hesses "Siddharta" öffentlich gut zu finden. Auch der noch so verirrte Sinnsucher tätowiert sich kaum mehr einen Riesen-Ganesha auf den Buckel und wandelt auf den Spuren Castanedas durch die Hauptallee.
So etwas tut man einfach nicht mehr.

Das seit bald zwei Generationen verjährte Ende der Hippies hat rationalisiert und aufgeklärt, aber auch zynisiert und desillusioniert.

Die grundlegende Sehnsucht ist freilich geblieben.
Auch wenn sie längst privatisiert und vermarktet wurde.
Im Post-Post-Post Zeitalter der eskapistischen Befreiungsversuche scheinen sich bloß noch zwei Posen und eine Vogel-Strauß-Taktik auszugehen.

 
 
  Mit Namen, erstens, die völlige Selbsthingabe an den totalen Zynismus, die permanente Selbsthinterfragung ohne Richtung die sich größtenteils im spitzen aber ziellosen Sarkasmus verliert.

Zweitens mit der Pose der kindlichen Naivität, die das Kopfschütteln braucht wie Klaus Kinski guten Sex, die das permanente Verrennen und durchs Leben Stolpern, sprich die eigene Angreifbarkeit zum Leitthema erhebt.

Und drittens die völlige Wurschtigkeit, manche Menschen werden scheinbar ohne Loch in der Seele geboren.

Bei Kula Shaker befinden wir uns mitten in der durchgeplanten Naivität.

Kula Shaker wären die dümmste Band des Planeten, höre ich Menschen sagen. Und in einer Welt, wo die Bildungspflicht zur Ersatzreligion der Denk-Leistungsgesellschaft gemacht wurde, kommen sie mit ihrer kruden Mischung aus hinduistischen Versatzstücken, Glam-Rock und Räucherstäbchen-Romantik auch dementsprechend patschert daher.

Wiewohl man mit viel schlechtem Willen natürlich auch das hinduistische Swastika (das dort ein alltägliches Symbol darstellt und jede zweite hinduistische Götterstatue ziert) als Hakenkreuz missverstehen kann, haben sich Kula Shaker ihrerseits auch nie sonderlich bemüht, ihre semiotische Welt zu vermitteln oder gar zu erklären.

 
 
Rockgeschichte
  Von Sänger Crispian Mills ist bekannt, dass er 1993 im Zuge einer längeren Indienreise vom spirituellen Magnetismus des Subkontinents dermaßen fasziniert war, dass er fortan beschloss Sanskrit in seine Texte einfließen zu lassen.

Die Begegnung mit dem Krishna-Jünger Kula Sekhara, der gerüchteweise auch ein Weggefährte John Lennons war, festigte einerseits Mills Verbindung zur hinduistischen Philopsophie und bescherte andererseits Kula Shaker ihren Namen.

Und irgendwie war diese gern als esoterisch bezeichnete Curry-Mischung genau die Würze die das Kula Shaker Tandoori zum Brodeln brachte.
Musikalisch recht konsequent einer 60s bis 70s Rockschiene verpflichtet, begannen Industrie und Publikum plötzlich aufzuhorchen.

Der Rest ist Rockgeschichte, mit dem Album "K" und Singles wie "Tattva", "Hey Dude" oder dem Deep Purple Cover "Hush" war man plötzlich Teil einer neuen britischen Welle.

Nachdem das Nachfolge Album "Peasents, Pigs & Astronauts" aber bei weitem nicht an den Erfolg von "K" anschließen konnte, verließ Mills frustriert die Band.

Es folgten die üblichen Jahre der erfolglosen Solo-Selbstsuchen bis sich Kula Shaker im November des Vorjahres offiziell wiedervereinigten. Nun erscheint also endlich ein richtiges neues Kula Shaker Album, welches auf den Namen "Strangefolk" hört. Und nicht nur die Hippie-Affinen horchen interessiert auf.

 
 
Strangefolk
 
 
  Denn "dümmste Band" hin oder her, es gibt ein Element das Kula Shaker von den Cribs dieser Rockwelt unterscheidet, und das ist ein Grundgespür für Songwriting.
Natürlich ist das durchexerzieren der Lennon/McCartney Harmonieschule nicht innovativ, natürlich ist die Glam-Pose von T-Rex nichts Neues und natürlich ist Psychodelic-Rock nicht der Soundtrack der schönen neuen Welt.

Und dennoch packen Kula Shaker zu, wo andere nur bemüht streicheln. Mir ist ein programmierter Anachronismus noch immer lieber als ein versteckter.

Kula Shaker sind Musikanten der ersten Liga, die Songs haben Kraft und Nachhaltigkeit und rühren zum Teil die Seele, viel mehr verlange ich gar nicht. Wer mit den Kula Shaker Liedern der 90er Jahre etwas anfangen konnte wird auch "Strangefolk" mögen. Dafür lege ich mein drittes Auge ins Feuer.

Und wer will darf beim Hören Räucherstäbchen anzünden, meditieren oder einfach nur eine Tiefkühl-Lasagne essen.

 
 
Heute, Mittwoch, in Connected (15-19 Uhr)
  Listening Session: Kula Shaker
Robert Zikmund und David Pfister hören sich durch "Strangefolk", das neue Album von Kula Shaker.
 
 
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