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Wien | 27.9.2007 | 17:44 
Flaschendrehen und Tischerlrücken, Schmerzenhören und Seelebrennen, garniert mit einem Hauch von Zimt.

Fuchs, Pfister

 
 
Letters from Burma
  Seit Mittwoch scheint die Situation in Myanmar (Burma) zu eskalieren. Nahezu stündlich dringen neue Informationen zu den Nachrichtenagenturen, die allesamt nichts Gutes für die friedlichen Proteste auf den Straßen des Landes, vor allem der beiden größten Städte Rangun und Mandalay, erwarten lassen.
Am Mittwoch hat es das Militär zum ersten Mal gewagt, auf die friedlichen DemonstrantInnen zu feuern, unter den Opfern befinden sich sowohl Mönche wie auch normale Bürger.
Internationale Journalisten können vor Ort quasi so gut wie nicht berichten, die Nachrichtenquellen beschränken sich fast ausschließlich auf Botschaften und Weblogs.

In der Nacht auf Donnerstag haben die Handlanger des Militärregimes Razzien in zahlreichen Klöstern des Landes durchgeführt. Dabei wurden hunderte Mönche verprügelt und anschließend in Militärlastwägen abtransportiert.

Dennoch lassen sich die Protestierenden nicht einschüchtern und so gingen auch am Donnerstag wieder tausende Menschen auf die Straßen. Und während sich der UN-Sicherheitsrat, vor allem durch die fragwürdige Haltung Chinas und Russlands, nicht zu einer klaren Verurteilung des Blutvergießens durchringen konnte, ist es erneut zu Schießereien in den Straßen Ranguns gekommen.
CNN meldet zehn Todesopfer, auch ein japanischer Fotograf soll laut Berichten der japanischen Botschaft in Burma getötet worden sein.
So prallt die mutige Demokratiebewegung in dem von Jahrzehnten durch eine Militärdiktatur gepeinigten Land auf die Soldaten eines Regimes, dass sich immer extremer und scheinbar panisch versucht, an der Macht zu halten.
 
 
Aung San Suu Kyi
  Die Kraft durchzuhalten und der moralische Unterbau, also quasi der gemeinsame Nenner aller Demonstranten, kommt neben der Unterstützung durch den buddhistischen Klerus vor allem von einer Frau: Aung San Suu Kyi, die Gallionsfigur der Demokratiebewegung, die trotz Hausarrest-Gewahrsam, alleine durch ihre Anwesenheit und ihr Charisma die Hoffnung vieler Burmesen ist.

Aung San Suu Kyi ist die Tochter des burmesischen Nationalhelden Aung San, der für die Unabhängigkeit von der englischen Krone kämpfte und 1947, kurze Zeit vor der Unabhängigkeit, ermordet wurde.
Aung San Suu Kyi, ihre Freunde und Familie nennen sie "Suu", war damals zwei Jahre alt.
Sie genoss eine hervorragende Ausbildung in Rangun, Delhi (Indien) und an der Oxford Universität in England.
Später arbeitete Aung San Suu Kyi als UN-Diplomatin in New York und Bhutan, und gründete mit ihrem englischen Ehemann eine Familie in England.

1988 ging sie zurück nach Burma, um sich um ihre sterbende Mutter zu kümmern, genau zu dieser Zeit brachen dort die großen Studentenproteste gegen das herrschende Militär Regime aus.
In Aung San Suu Kyi fand die junge Demokratiebewegung schnell eine geeignete Führungspersönlichkeit.

Dennoch wurde der friedliche Protest brutal niedergeschlagen, Tausende fanden den Tod.
1990 fanden in Burma dann freie Wahlen statt, ihre "National League for Democracy" erreichte an die 80 % der Wählerstimmen. Doch das abgewählte Regime ignorierte den Volkswillen und stellte unter Hausarrest.

 
 
  Seither arbeitet Aung San Suu Kyi unermüdlich für den Demokratieprozess in ihrer Heimat, auch unter widrigen Bedingungen wie eben Hausarrest oder Gefängnis.
Für Aussehen sorgten jüngst die Bilder, als sie über den Absperrungszaun ihres Hauses zu buddhistischen Mönchen spricht, die an den Demonstrationen teilnehmen.
Eine Handlung mit großer Symbolkraft für die Bevölkerung Burmas.

1991 wurde Aung San Suu Kyi mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, weiters hat man ihr auch schon den "Sakharov Preis" für die Freiheit des Denkens im europäischen Parlament und den "Thorolf Rafto Preis" für Menschenrechte in Norwegen verliehen.

Neben ihrem unermüdlichen Kampf für Demokratie, Menschenrechte und Frieden, hat die mittlerweile über 60jährige Aung San Suu Kyi auch zahlreiche Bücher geschrieben, darunter "Freedom from Fear", dass ihr Ehemann herausgegeben hat, erhältlich im Penguin Verlag, London.

Ebenfalls dort ist vor etwa zehn Jahren das Buch "Letters from Burma" erschienen.
Darin erzählt Aung San Suu Kyi in 52 Briefen, die sie ursprünglich für eine japanische Zeitung nach ihrer temporären Enthaftung 1995 geschrieben hat, über Hoffnungen, Träume und Kämpfe aus ihrer Heimat.
Das ist vor allem deshalb empfehlenswert um ein Bild dieses beeindruckenden Landes und seiner Menschen, abseits von Fernsehbildern über Straßenschlachten zu bekommen.
Eine Kostprobe:

 
 
  Of the words of wisdom I gathered during that journey across central Burma, those of a ninety-one-year-old Hsayadaw (budd. Würdenträger, anm.) are particularly memorable.
He sketched out for me tersely how it would be to work for democracy in Burma.
`You will be attacked and reviled for engaging in honest politics`, pronounced the Hsayadaw, `but you must persevere. Lay down an investment in dukkha (suffering) and you will get sukha (bliss).`


(Auszug aus Brief 40, "Teachers")

"Letters from Burma" von Aung San Suu Kyi ist 1997 bei "Peguin Books", London, erschienen.


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The Return of Fear
Chris Cummins: The demonstations in Myanmar (Burma) continue. But the crackdown has begun. What will happen next?

Grüße aus Myanmar
Blogger berichten von den Protesten in Südostasien.
   
 
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