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Wien | 17.7.2008 | 14:14 
Flaschendrehen und Tischerlrücken, Schmerzenhören und Seelebrennen, garniert mit einem Hauch von Zimt.

Fuchs, Pfister

 
 
"The House that Ruth built"
  Am 18. April 1923, also vor 85 Jahren, wurde das bis dato modernste Sportstadion des Planeten in der New Yorker South Bronx der Weltöffentlichkeit präsentiert.
Zum ersten Mal wurde eine Baseball Arena mit drei Rängen gebaut, ein beeindruckender Koloss mit steilsten Rängen und einzig auf Baseball ausgerichtet, das sollte die neue Heimat der New York Yankees sein. An der 161 Straße, dem Fokus so vieler Baseball-Träumerein und Fantasien.

Ganze 284 Tage hatte die Errichtung gedauert, ein unglaublicher Rekord, und so konnte die Saison 1923 mit einem Spiel gegen den most-hated Erzrivalen, die Boston Red Sox, eröffnet werden.
Der auf alle Zeiten größte Star des Spiels, Babe Ruth, war es, der Boston mit einem 3Run Homerun und einem Ergebnis von 4:1 zurück nach Fenway schickte.
 
 
  In der gleichen Saison gewannen die Yankees ihre erste World Series gegen die Giants, damals noch ebenfalls in New York zuhause.
Mittlerweile spielen die Giants längst in San Francisco, die Dodgers in LA und als zweites New Yorker Team sind nur mehr die Mets verblieben.

Die großen Geschichten, Stolz und Ablehnung, Gigantomanie und kleine Geschichten des Baseballs, New Yorker Hotdogs und Millionentransfers, das alles konzentrierte sich die folgenden 85 Jahre allerdings vor allem in der Bronx. Bei den Yankees, dem erfolgreichsten US-Profiteam aller Zeiten.
 
 
 
South-Bronx.
 
 
Fast Forward, 80 Jahre
  Im Sommer 2003 verbringe ich mit meiner damaligen Freundin einige Zeit in New York, ich glaube zum dritten oder vierten Mal. Da ich selbst ein paar Jahre, wenn auch auf bescheidenstem Niveau, dieses große Spiel aktiv betreiben durfte und mich der Virus gute fünf Jahre lang voll erwischt hatte, wurmt es mich einigermaßen, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ein MLB Spiel live gesehen habe.
Doch jetzt ist es soweit, romantischer Pärchenurlaub hin, St. Marx Place her. Um geschmeidige 300 Dollar komme ich irgendwie doch noch an Karten, ganz weit hinten, beim Rightfield, versteht sich.
Aber was solls, schließlich spielen, erraten, die Yankees gegen die Red Sox.

Die Stimmung im Yankee Stadium in Worte zu fassen, ist wie zu Architektur zu tanzen. Es ist einfach ein unglaubliches Potpourri aus vielen Gründen, die noch immer ansatzweise von Amerika träumen lassen. Gerüche, eine alte Stadion-Orgel, ein charmantes Gemisch aus Ami-Englisch und Spanisch in meinen Ohren. Eine Gruppe Latino-Frauen, die offenbar plant während des Spiel Proviant um mehrere hundert Dollar zu verzehren und immer laut schreit, wenn Jorge Posada endlich zum Schlagen kommt.
Diese unfassbar steilen Ränge, mit diesem unfassbar überwältigenden Ausblick auf diese unfassbar schöne Spielfeld da unten.
 
 
 
 
 
  Die Welle des augenzwinkernden Hasses, die immer hochschlägt, wenn Manny Ramirez von den Red Sox dran ist. Und natürlich das Spiel.
Wer einmal gesehen hat, wie man von der Outfield- Begrenzung mit einmal Aufspringen in einem Strich bis zur Homeplate werfen kann, wird nie mehr behaupten, Baseball sei ein Stehsport.
Vermutlich ist das aber ohnehin preaching to the converted, wer bis hierher gelesen hat, dem muss man das wohl nicht mehr erklären.
Ach, gewonnen haben übrigens die Red Sox.

 Manny Ramirez, being Manny.
 
 
Juli 2008
  Wie die Jungfrau zum Kind bin ich nun, nach fast fünfjähriger Abstinenz an einen US-Sportsender geraten, den ich plötzlich empfangen kann und der zeigt, richtig, MLB rund um die Uhr.
Hatten wir damals vereinsintern noch richtige VHS- Tauschbörsen, irgendwo auf Premiere aufgenommen, gibt's jetzt täglich zwei bis drei Spiele live und frei Haus.
Also habe ich mich entschlossen, meine Begeisterung wieder auszugraben.
Es war gar nicht so schwierig.

Seit knapp einen Monat verfolge ich die Major League nun wieder regelmäßig und aufmerksam, so war ich nun beim Allstar Game nicht zu sehr von den vielen neuen Namen überrascht, denn Baseball hat einige neue Gesichter. Das All Star Spiel, wo es neben Prestige und Status für die Spieler schon auch um das Heimrecht bei der World Series geht, ist quasi so eine Art Messe für die Liga.
Da treffen ewige Legenden wie Hank Aaron, Willie Mays oder Yogi Berra, aktuelle Veteranen wie Derek Jeter und blutjunge Shootingstars zusammen, es ist schon eine Art Ritterschlag hier dabei zu sein.

Und eben dieses 79ste All Star Spiel wurde nun im Yankees Stadium ausgetragen, quasi der offizielle Abschied, da der alterwürdige Ballpark mit Ende der Saison abgerissen wird.
Okay, es wird eine Straße weiter eine beinahe 1:1 Kopie errichte, dennoch ist es nicht mehr das selbe Stadion.
 
 
 
  Hat man sich an von die Patriotismus, Bon Jovi und Stealth-Fightern durchzogene Pre-Game Action gewöhnt, wird es zuerst mal offensichtlich, dass der Generationen-Wechsel beinahe vollzogen ist.
Während in den letzten fünf Jahren die Säulen der 90er Jahre, also Spieler wie Bernie Williams, Mike Piazza, Sammy Sosa, Nomar Garciaparra, zuletzt auch Barry Bonds und viele andere, von der Bildfläche verschwunden sind, ist eine Armada an zukünftigen Stars nachgerückt.
Die meisten Nominierten waren bei diesem Spiel jünger als 28. Für Baseball bemerkenswert.

Die wohl amerikanisch-heldenhafteste Geschichte dieses All Star Spiels und der ganzen aktuellen Saison kommt aber vom, gar nicht ganz jungen, Centerfielder der Texas Rangers, Josh Hamilton.
Im Jahre 2000, mit 18, bereits als die Nachwuchshoffnung bezeichnet, verbrachte der die nächsten Jahre nämlich erst mal mit Verletzungen, Alkohol und Drogenabhängigkeit.
Bis er 2007 zurück kehrte und heuer unfassbar durchstartet.
Besonders überwältigend seine 28 Homeruns in einer Runde beim Homerun Derby, vom Giftler zum Powerhitter, das sind die Märchen die der Sport schreibt.

 
 
Josh Hamilton, Texas Rangers.
Frischgebackener US-Sports Superstar.
 
 
  In Summe hat sich nun also, zur Mitte der Saison, Baseball selbst gefeiert. Zurecht und mit allem Selbstbewusstsein. Im Fußball ist man oft so stolz drauf, dass jedes Wochenende fünfzigtausend Fans kommen, in manchen Baseball-Stadien passiert das jeden Tag.
Nach dem Ende des alten Yankee Stadions, bleiben in der MLB also nur mehr Wrigley Field in Chicago und der Fenway Park in Boston als historische Spielstätten übrig.
Gewonnen hat übrigens, zum 11. Mal in Folge die American League, gedauert hat der Marathon satte 15 Innings oder fünf Stunden.

Die zu pensionierende Heimat der Yankees hat jedenfalls in 85 Jahren unzählige historische Momente erlebt. 26 World Series Titel, Lou Gehrig, Mickey Mantle, 2 Perfect Games von David Cone, mit heuer vier All Star Spiele, einen Besuch von Papst Benedikt und, na ja, einen von mir ...

Vielleicht gesellt sich dazu noch ein letzter, wenn die Yankees heuer zum letzten mal im alten Stadion die World Series gewinnen können.
Doch da muss man zuerst mal an Boston vorbei...

Eins bleibt auf jeden Fall auch ab 2009 gleich: 161st Street - Yankee Stadium.

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