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Wien | 6.8.2008 | 10:47 
Flaschendrehen und Tischerlrücken, Schmerzenhören und Seelebrennen, garniert mit einem Hauch von Zimt.

Fuchs, Pfister

 
 
Country Musik ist kein Dreck
  "stop reading the weather charts,
stop counting the playing cards,
there's no system, there's no guarantee"


Warum fangen eigentlich 99% aller Artikel über Conor Oberst bzw. Bright Eyes mit einem Zitat an? Nun, vermutlich, weil gemäß den uralten Regeln klassischer Dramaturgie, der affektive Catcher am Beginn stehen sollte.
Und glaubt mir, wer dermaßen Talent für sowohl catchy als auch berührende Textzeilen besitzt wie Conor, würde sich niemals damit zufrieden geben, nur über andere zu reden.
Deshalb beginnen Texte über Conor Oberst zumeist mit einem Zitat von Conor Oberst.

Heute Nachmittag habe ich im Rahmen der Informations- und gute Laune Sendung FM4 Connected die große Ehre mit Barbara Matthews eben jene neue Soloplatte von ebenjenem Herrn durchzuhören, von der gerade soviel die Rede ist - Conor Obersts selbstbetiteltes Solo-Debüt.
Barbara und mich verbindet diesbezüglich wohl ein über bloßes Fantum hinausgehendes Naheverhältnis zu Obersts Werk und Sprache, eines, das für uns selbst schon bald biografisch dünkt. Nur, das sie wirklich gut Englisch spricht.
 
 
 
  Ich möchte an dieser Stelle schon mal ein bisschen Vorarbeit und Werbung leisten und einen musikalischen Überblick ohne Musik wagen. Dazu hätte ich vorab nur gerne folgendes geklärt:

1. Conor Oberst ist weder der junge Dylan noch Springsteen, er ist einfach nur Conor Oberst. Das sollte doch wohl bitte reichen.
2. Die Emo-Wuckl Zeit, in deren Licht viele Kritiker die Bright Eyes gerne festhalten, ist seit vielen Jahren vorbei.
3. Country Musik ist kein "Dreck".

Danke. Los geht's:

 
 
  Track 1: "Cape Canaveral"
Die ersten Takte der Platte kommen gleich mal mit einer guten Portion Simon & Garfunkel Fingerpicking daher, auch stimmlich kann man das mit viel Phantasie so sehen. Textlich geht Oberst gleich mal in die Vollen und bedient das semiotische Metaphorik-Piano auf allen Oktaven von Familienbanden über süße Siege auf billigen Plätzen bis hin zum leibhaftigen Cape Canaveral, richtig, dort wo immer die Raketen starten.

Track 2 "Sausalito"
Ein klassischer Travelling Song über Sehnsucht, Straßen, Freiheit und Zuflucht im Schoß einer Liebe. Macey Taylor von der "Mystic Valley Band" an den backing vocals. Hier rollt es den Country-Verweigerern wohl zum ersten Mal die Nägel dezent Richtung Kniescheibe. Gut so. Ich kann mich irren, aber dieser Song wäre wohl ohne der Mexiko-Reise (mehr dazu in Barbara Matthews Artikel) nie so entstanden.

Es folgt nun mit Track 3 "Get Well Cards" ein klassischer Song über Zuneigung und Bekennen, der in erster Linie durch fragile und leicht schiefe Gitarrenfills sowie einer für Oberst untypischen Vocal Linie besticht.
Nummer 4 "Lenders in the temple" vewirrt mich, obgleich wieder wunderschön folky arrangiert, mit Fingerpick galore, bislang am meisten. Wenn es ein Thema gibt, wo ich Oberst nicht fassen kann, ist das sein Zugang zur Spiritualität. Alles andere erschließt sich, Lücken der englischen Sprache und Verweise, die ich als Europäer schwer verstehen kann, zeigen in der Gesamtheit klare Konturen. Aber das hier, nein, zu schwierig. So lasse ich mich vorerst mal von einzelnen Perlenzeilen wegblenden und vertraue. Vielleicht geht ja später mehr.
 
 
 
  Track 5 "Danny Callahan"
Komischerweise meine erste Berührung mit dieser Platte, als ich noch nicht mal wusste, wo da wer aller und überall mittut. Seit einigen Wochen habe ich das gute Stück als Myspace-Profilsong erwählt, und noch immer bewegt mich diese Nummer am meisten. So stammt das Anfangszitat dieses Artikels von ebenda. Einfach ein guter Popsong und noch dazu recht klassisch Bright Eyes.

Track 6 "I dont wanna die in the hospital"
Der Standard Country Wechselbass stampft durch diesen Song wie ein Zug von Arizona nach Nashville. Und so, als ob jeden Moment John und June auf die Bühne springen würden. Vielleicht ein wenig eintönig für 3 Minuten 30, aber so sind Zugfahrten mitunter. Spätestens hier wird den erwähnten Verweigerern wohl der Zehennagel bald 180 Grad wegstehen, dennoch eines der Highlights der Platte. Soll der gute Mann bis 60 ausschließlich sanfte Folksongs schreiben?

Ich überspringe nun ganz salopp Song 7 "Eagle on a pole", eine schöne und sehr stark an früher erinnernde Nummer, die auf "Lifted" wohl kaum auffallen würde sowie auch einen der Höhepunkte, Track 8 "NYC gone, gone". Aber über diese sehr amerikanische Geschichte über Orte und Reisen schreibt ohnehin schon Kollegin Mathews ausführlichst.
 
 
 
Sehnsucht und Abschied
  Track 9 "moab"
Dieser Song vereint für mich wie kein anderer auf dieser Platte die ewigen Americana-Themen aus Sehnsucht, Suche und Abschied. Und die Lebenskunst, Schönes nicht festhalten zu wollen. Melancholie ohne Depression. Conor Oberst ist in seinen 28 Lebensjahren diesbezüglich sehr weit gekommen, weiter als es viele wohl jemals schaffen. Seelenalter ist in Zahlen nicht messbar. "There's nothing that the road cannot heal" Was für eine Hymne.
 
 
 
  Track 11 "souled out"
Nach einem Instrumental Track, jetzt: Die Single. Ganz schwierig. Ich mochte sie von Anfang an nicht und warum kann ich nicht mal plausibel erklären. Auch wenn hier der an sich sehr schöne und stimmige Mexiko-Prozess am stärksten verarbeitet wird. Ich habe im Vorfeld von einigen Bright Eyes DieHard Fans gehört, sie könnten mit dieser Solo-Platte wenig anfangen. Vielleicht haben sie vor allem diese Single gehört. Dann würde ich alles verstehen ...

Das Album endet schließlich mit der sehr ruhigen Reflexions Ballade "Milk Thistle". Ein sehr würdiger Abschluss. Und einer, der vielleicht noch das meiste Potential zum Entdecken hat. Feine schräge Kadenzen und ein vieldeutiger Text zum Lichtabdrehen.

Ganz schön viele Worte über 12 Lieder. Ab 17 Uhr gibt's in Connected dann die 4 Ohren Conference mit Barbara Mathews. Natürlich mit Musik.
Ich freu mich.

 
 
Album zu gewinnen
  Wir verlosen zwei Stück des aktuellen Conor Oberst Albums auf CD. Wer an der Verlosung teilnehmen will, muss nur folgende Frage richtig beantworten: Was um Himmels Willen hat ein Bild von Charleton Heston in "Planet der Affen" in dieser Geschichte verloren?

Der Einsendeschluss ist bereits vorbei.
Die richtige Antwort lautet: Im Film Planet der Affen gibt Zira Colonel George Taylor (Charlton Heston) den Spitznamen "Brigh Eyes" - womit wir wieder bei Conor Oberst wären.

Die Alben sind bereits am Weg zu den GewinnerInnen.
 
 
 
 
 
Konzert!
  Am 9. September gastieren Conor Oberst und die Mystic Valley Band in der Wiener Arena.


Vorsicht: Konzerteinlass verschoben von 19 auf 21 Uhr!

Wegen Tourbus-Problemen und verschobenen Soundcheck-Zeiten beginnt der Einlass zum Conor Oberst Konzert in der Wiener Arena erst um 21 Uhr!
 
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  conoroberst.com

There Is Nothing The Road Can't Heal
Conor Oberst and the Mystic Valley Band - zurück zum Alten und doch ganz weit vorne. Barbara Matthews über Conor Oberst und sein Soloalbum.
   
 
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