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Wien | 16.10.2008 | 17:38 
Flaschendrehen und Tischerlrücken, Schmerzenhören und Seelebrennen, garniert mit einem Hauch von Zimt.

Fuchs, Pfister

 
 
Nachtaktiv
  Ich habe die letzten Jahre viel "traurige" Musik gehört. Die Bright Eyes, Okkerville River, The National, Flotation Toy Warning, Fleet Foxes, vor allem auch Phorphorescent, Beirut und alle anderen Verdächtigen.

Das mit dem Rock'n'Roll hat irgendwie nicht gepasst. Natürlich registriere ich die Einträge ins hedonistische Tagebuch, trotzdem ist der Zug mit CSS und Konsorten an mir vorbeigerast, wie Booty Bass und Grime-Ragga: Unberührt, ohne irgendwelche Interferenzen mit meiner Welt. Dann eben doch wieder die Tindersticks.

Leider muss ich als Folge dieses Selbst-Experiments feststellen, dass die Festlegung auf die Klangfarbe "Schwermut" vielleicht Trost und wohlige Schauer spendet, jedoch nicht unbedingt hilfreich dabei ist, die eigene Schwerfälligkeit zu überwinden.

Am ehesten konnten MGMT mit ihrem irrwitzigen Konglomerat aus Melodie, Disco und leichtfüßiger Tragweite, da einen Schleichweg ins limbische System finden.

So richtig therapiert haben mich aber erst jetzt die Kings Of Leon.
 
 
 
 
 
  Die Geschichte ist so gut dokumentiert wie abgehangen. In einer Gegend wo man Marlboro mit Ketchup und Rindfleisch frühstückt, versuchen drei Brüder und ein Cousin, allesamt Followhills, ihrem Dasein als Kuckuckseier im Kuhkaff irgendeinen Sinn zu geben.

Früh entdecken sie für sich das eskapistische Potential des Rock'n'Rolls, und auch wenn es dem zutiefst christlichen Vater nicht passt, gründen sie in Nashville die Kings Of Leon. Der Rest ist das aktuelle Kapitel im großen Rock-Lexikon, file under "southern rock".

2003 schießen die Kings mit "Youth and Young Manhood", eine Bibel-Anspielung, ihr Debütalbum raus, touren mit U2 und den Strokes und schaffen aus dem Stand den Sprung in den Fokus der internationalen Musikpresse.

Nach dem bis dato größten Single-Hit der Band "The Bucket" folgt mit "Aha Shake Heartbreak" die Konsolidierung von der Jugendhoffnung zum Establishment.
2007 veröffentlichen die Kings of Leon ihr drittes Album "Because of the times", das der deutsche Spiegel zu einer der wichtigsten Platten dieses Jahres zählt.
 
 
 
 
 
  Musikalisch mögen sich die Kings auf dieser Reise verändert haben, sowie Calebs Haare immer kürzer wurden, der unique selling point blieb jedoch konstant. Wie viele andere große Bands der Rockgeschichte polarisieren die Kings Of Leon vor allem durch den extrem einprägsamen Gesang von Caleb Followhill.

Im Wechselspiel mit oft genial simplen Gitarrenriffs, mitunter bishin zu Single Note Themen heruntergebrochen, erzeugt diese Stimme eine unfassbare geladene Atmosphäre, die sich aber jederzeit in Harmonie auflösen kann. Und tut. Bestes Beispiel: On Call vom letzten Album.
 
 
 
Only By The Night
  Nun haben die Brüder aus dem Süden also bereits zehnjähriges Bandbestehen gefeiert und zuletzt mit "Only by the night" ihr vielbeachtetes viertes Album auf den Markt geworfen.

Immerhin zählt bereits Noel Gallagher die Kings of Leon zu seinen absoluten Lieblingsbands. Die Rezensionen haben sich dann auch recht schnell ein Wettrennen in Sachen Euphorie geliefert. So hat etwa die Single "Sex On Fire", übrigens ein Titel den wohl nur eine Handvoll Bands wagen würden so zu schreiben, gleich mal unterstrichen was die einzigartige Qualität dieser Band ausmacht: Die eruptive Gelassenheit mit der hier Melodien für die Ewigkeit geschaffen werden, erinnert in ihrer spielerischen Leichtigkeit an große Vorbilder.

Auch wenn ich mir damit vielleicht nicht nur Freunde mache, ich finde, nur die Killers haben mit Sams Town in den letzten Jahren ähnliches vollbracht. Eine vollkommen unpeinliche Metamorphose sämtlicher gängigen USA-Rockklischees, heruntergetuned auf Songs die keiner Erklärung bedürfen.

Das ist Arthouse und Blockbuster in Personalunion.
Die Überwindung aller künstlicher Kategorien zwischen Pop und Rock.
 
 
 
 
 
  Was man bei aller musikalischer Offenbarung der Kings aber nicht außer Acht lassen sollte, ist die ebenso vorhandene textliche Qualität der Songs. Auch hier gilt: wenig herum-geeiere, weniger ist mehr, ich liebe dich heißt im Idealfall noch immer bloß "ich liebe dich".

Just say I want you, just exactly like I used to
Cos baby this is ooooonly bringin me down.


Wer das tiefe Bedürfnis verspürt, sich die Eingeweide ein bisschen durchmassieren zu lassen, ist mit der neuen Kings Of Leon sicher ganz gut beraten. Lasset uns durchbürsten, von heißer Luft aus dem Süden.
 
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  www.kingsofleon.com
   
 
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