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Berlin | 14.9.2008 | 13:03 
Aus dem Leben der Lo-Fi Boheme

LisaRank, Sonja, Marc

 
 
Laute Räume
  Christiane Rösinger ist Musikerin ("Lassie Singers", "Britta"), Songschreiberin und Autorin und lebt in Berlin. Sie schreibt eine wöchentliche Kolumne über ihren Alltag.

Der Proberaum und das Fitnessstudio haben ja so manches gemeinsam: Man zahlt Monat für Monat und geht doch nie hin, obwohl es einem eigentlich gut tun würde. Aber das Proben an sich macht halt wenig Spaß. Stundenlang steht man in schimmligen, kalten, stinkenden Kellern rum. Aus Kostengründen teilt man sich den Raum mit anderen, irgendeine Arschlochband ist immer dabei, die, ohne zu fragen, das Equipment mit benutzt. Ständig fehlt was, ist was kaputt und keiner will's gewesen sein. Und so ist das Schönste am Proben eigentlich immer das Getränk hinterher. Dieser chronische Proberaumüberdruss tritt aber keineswegs erst nach 20 Jahren in Übungskellern auf.
In dem schönen Lied "Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein" klagte die damals noch recht junge Gruppe Tocotronic im depressiven Zwischenteil des sonst recht euphorischen Songs schon ihr Leid:. "Jetzt müssen wir wieder in den Proberaum, ich hab gar kein Bock".
 
 
 
Die schlecht gelaunte Band Britta im Proberaum.
 
 
  Nun gibt es seit einiger Zeit in Berlin-Friedrichshain die Noisy Rooms. Das ist ein ganzes sauberes, trockenes Kellergeschoß mit voll ausgestatteten Proberäumen, die man für wenig Geld stundenweise mieten kann. So spart man Geld und Ärger und kriegt sogar mit, was beim Nachwuchs so los ist, denn in den Gängen herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Meistens sind es Typen in dunkelbraunen Schnürlederhosen, Bierflaschen und Gitarrenkoffer in den Pranken. Die Rockvariante "räudige Männerband" stirbt wohl niemals aus.
Aus den Übungsboxen dröhnt gedämpfte Musik und so hört man immer, was die anderen gerade so proben, meistens eher langweiliges Gedudel, sehr selten interessante Katzenmusik.

Sehr beliebt sind immer noch die Gitarrenriffs von "All along the Watchtower" und "Smells like Teen Spirit".
Wie so oft bringen auch hier wieder die Berliner mit turko-arabischem Migrationshintergrund ein wenig Farbe in den grauen Alltag: die Mizmar - unter den Top Ten der nervigsten Musikinstrumente liegt sie ganz weit vorne - sorgt mit ihrem schrillen Klang und den arabesken Melodien für ein wenig Abwechslung im tristen Rockkeller.

 Da unten...
 
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