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London/Canterbury | 26.7.2005 | 13:34 
Stadtbrief aus London, Popmetropolitanisches Themsenstrandgut - Booms, Beats und gesalzene Butter.

Fuchs, Blumenau, Smoab

 
 
London for Beginners, pt.1
  Kurzvorwort:

Ich hatte schon in meiner letzten Geschichte angedeutet: Dieser erste Teil der kleinen "London für Anfänger"-Fibel wurde kurz vor den Anschlägen der letzten Woche verfasst. Mittlerweile haben die Touristen London in Scharen verlassen. Es wäre also eine gute Zeit herzukommen, das Risiko in die Luft zu gehen, ist statistisch gesehen immer noch vernachlässigbar. In diesem Sinne: Wo war ich stehen geblieben?
 
 
 
 
 
  Die Message ist immer dieselbe: "Hallo, Du, wir kennen uns zwar nicht/schon, aber/und ich/mein Chef/der Hund wollen demnächst nach London fahren und wissen, was wo wann so los ist." Ich habe hier schon ermüdend oft geschrieben, dass ich auf all diese Anfragen nicht eingehen kann, aber mindestens genau so oft versprochen, endlich einmal so eine Art Kurzanleitung für die Londonerstadt zu schreiben, wie Herr Lehner sie so schön für New York-BesucherInnen zusammenstellt.
 
 
 
  Doch ein guter Vorsatz ohne Nachsetzen zählt bekanntlich elf (bei Bedarf in Wien nachfragen, was das heißt), dann kamen auch noch allerlei Dinge und Bomben dazwischen, und jetzt ist es schon fast Ende Juli, also eigentlich zu spät für die Sommersaison.

Und letzten Donnerstag kam schließlich ein Email der "wollsockenkönigin", das mich direkt an meiner schwächsten Stelle kitzelte:
 
 
 
  "eine freundin udn cih fahren im august nach london, haben aber sehr wenig ahnung über diese statdt, da der letzte und erste besuch mit der hauptschule, also in einer organisierten gruppe erfolgte. da wir nun aber relativ jung (17, 18) und eben zwei mädls sind, drängt sich die frage auf: wosoll man sich demnahc in dieser stadt besser nicht rumtreiben? gibts irgendwelche so richtig gefährlichen plätze, viertel???

oder sonstige verhaltensdinger auf die man als junges mädl unbedingt achten sollte um wohlbehalten wieder heimzukeheren??"
 
 
 
  Bitte, wie kann man sich da verweigern? Hier kommt also eine Antwort in mehreren Teilen für alle, die da immer fragen.
 
 
 
Wichtiger Einschub:
  Gleich im Vorhinein bitte ich die London-Connaisseure/Connaisseusen unter euch, meinen Ausführungen nach Herzenslust weitere Informationen hinzuzufügen. Schließlich ist London so groß, dass nicht ein jeder alles weiß, und meine Kenntnis cooler Südlondoner Speedgarade-Clubs ist nicht die einzige, die sich zugegebenermaßen extrem in Grenzen hält. Bloß bitte ich darum, die - sicher nicht in ganz regelmäßigen Abständen erscheinenden, so weit kenn ich mich - thematisch zutreffenden Teile abzuwarten.

In diesem Sinne, hier ist der Plan, der bei sich erweisender Unbrauchbarkeit jederzeit über den Haufen geworfen werden könnte. Der Übersichtlichkeit zuliebe hab ich mich zu einer mehr oder weniger geographischen Einteilung entschlossen:
 
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  London for Beginners

1 (heute): Reading your A to Z

2 Going Out, Dos & Don'ts

3 (demnächst) Das West End

4 (danach) Das East End und die City

5 Der Norden

6 Der Süden und der Südwesten
   
 
 
1 Reading your A to Z
  Einleitende grundsätzliche Bemerkungen zum Gebrauch Londons und seiner geographischen Dekodierung.

Was für ein griffiger Untertitel, ungefähr so übersichtlich wie ein erster Blick auf die wahre Bibel Londons, den "A to Z"-Plan (es gibt auch Pläne anderer Verleger mit individuellen Vorteilen, aber der A to Z ist der allgemein verstandene kartographische Konsens, also wollen wir uns hier daran halten).

 
 
  Hier gleich die allererste Regel jedes London-Besuchs:

Vergesst den praktisch dünnen "Central London"-Plan, den sie euch andrehen wollen. Kauft den gesamten A to Z, zur Not die besser tragbare Mini-Version. Alles andere ist vollkommen sinnlos. Die Gegenden, wo LondonerInnen tatsächlich wohnen und untouristische Freuden warten, beginnen ungefähr dort, wo die kleinen Central London-Pläne aufhören.
 
 
 
And suddenly it all made sense...
 
 
  Es wäre extrem sinnvoll, sich mit dem A to Z in der Hand die Zeit zu nehmen, London erst einmal als System verstehen zu lernen. Andernfalls fahrt ihr nur mit der U-Bahn durch die Gegend und verschwendet dabei unheimlich viel Zeit, weil a) dauernd was gesperrt ist und b) ihr die tatsächlichen, oft leicht zu Fuß zu bewältigenden Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Gegenden nicht kennt.
 
 
 
  Hilfreicher Hinweis: Der Londoner Underground-Plan ist ein Design-Klassiker, aber die darauf verzeichneten Richtungen und Größenverhältnisse haben PRAKTISCH GAR NICHTS mit der Realität zu tun, und U-Bahn-Verbindungen sind nicht immer die günstigsten Routen.

So fuhren zum Beispiel zwei Wiener FreundInnen von mir kürzlich eine Dreiviertelstunde mit der U-Bahn von ihrem Hotel in Paddington zu einem Festival im Hyde Park. Zu Fuß hätten sie höchstens eine Viertelstunde gebraucht.

Gerade wenn man in einer der Hotelgegenden wie Paddington, Queensway oder Kensington untergebracht ist, die sonst nicht allzu viel zu bieten hat, nützt es also schon was, die Ausfallswege streckenmäßig zu durchschauen und vor der Routenplanung einen prüfenden Blick in den A to Z zu werfen.
 
 
 
  Grundsätzlich funktioniert Londons Straßennetz (im Gegensatz zu sternförmigeren Städten wie Wien oder Paris) nach Himmelsrichtungen. Ungefähr zu wissen, in welche Himmelsrichtung man sich bewegt, macht nicht nur die Wahl der U-Bahn-Richtung - ohne Kenntnis der vielen möglichen Endstellen-Namen - zum Klacks (selbst wenn es etwa zwischen Euston und King's Cross eine absurde Stelle gibt, wo die Victoria Line Southbound und die Northern Line Northbound bzw. umgekehrt in die gleiche Richtung fahren), sondern hilft vor allem im Zentrum bei der Orientierung per pedes, solange ihr folgende wesentliche Ost-West-Achsen im Gedächtnis behaltet:

Von Ost nach West (grob gesprochen) und in Klammer die jeweiligen wichtigen Dinge, an denen ihr vorbeikommt:
 
 
 
1) Old Street bis Shepherd's Bush
  Old Street (Shoreditch, Bars, Clubs)
- Clerkenwell Road (noch mehr Bars, aber ein bisschen weniger hip)
- Theobald's Road
- New Oxford Street (Kreuzung mit Tottenham Court Road und Charing Cross Road)
- Oxford Street (Shops, Nordgrenze von Soho, über Oxford Circus an der Kreuzung mit Regent Street, von da an Nordgrenze von Mayfair, bis zu Marble Arch)
- Bayswater Road (Nordgrenze des Hyde Park bzw. südlich von Paddington)
- Notting Hill Gate (südlich von Notting Hill, Portobello)
- Holland Park Avenue
- Shepherd's Bush

 
 
2) Holborn bis Hammersmith
  Bildet eigentlich, wenn man's genau nimmt, eine Art Schere zur Achse 1, fängt ein klein wenig südlicher an, umschreibt den Hyde Park von der anderen Seite und nähert sich dann wieder der Achse 1 an.

High Holborn
- Shaftesbury Avenue (nördlich von Covent Garden, via Cambridge Circus, ab da nördlich von Chinatown bzw. südlich von Soho)
- Piccadilly Circus
- Piccadilly (nördlich von Green Park bzw. südlich von Mayfair)
- Hyde Park Corner
- Knightsbridge (südlich von Hyde Park)
- Kensington Road
- Kensington High Street
- Hammersmith Road bis Hammersmith

 
 
  Von dort zehn Minuten zu Fuß in Richtung Norden, und ihr seid in Shepherd's Bush, dem westlichen Ende von Achse 1.

Wie ihr seht, mit diesen zwei Achsen habt ihr so wesentliche Orte wie Soho, Covent Garden, Notting Hill oder den Hyde Park praktisch in der Tasche, da braucht's nur noch eine Ost-West-Achse weiter nördlich (im Süden habt ihr eh die Themse), und ihr könnt euch schon nicht mehr verlaufen:
 
 
 
3) King's Cross bis Edgware Road
  King's Cross & St. Pancras (wichtiger Bahnhof in den Norden)
- Euston Road (via Euston, ebenfalls wichtiger Bahnhof in den Norden rauf, Nordgrenze von Bloomsbury und Fitzrovia mit vielen nicht so billigen tollen Restaurants und Bars)
- Marylebone Road (südlich vom Regent's Park, der idealen Verbindung nach Camden, Nordgrenze von Marylebone, auch sehr schniek)
- Edgware Road (da seid ihr quasi schon in Paddington, ab da geht's mit dem Auto Richtung Westen).

 
 
4a) Themse Nordufer:
  (London Bridge bis Battersea Bridge)

London Bridge
- Upper Thames Street (südlich der City bzw. von St. Paul's Cathedral, via Blackfriars Bridge)
- Victoria Embankment (südlich des Strand, der Theater an der Drury Lane bzw. von Covent Garden, via Waterloo Bridge, Hungerford Bridge und Bahnhof Charing Cross, südlich vom Trafalgar Square und der Regierungsmeile Whitehall, bis zu den Houses of Parliament, via Westminster Bridge)
- kleiner Hakenschlag via Parliament Square zur Millbank (via Lambeth Bridge, dann weiter zur Tate Britain, dann via Vauxhall Bridge)
- Grosvenor Road (südlich von Pimlico, wo's für nicht dort Wohnhafte nicht allzu viel zu erleben gibt, trotzdem schöne Gegend und nahe an der Victoria Station, dann via Chelsea Bridge)
- Chelsea Embankment (südlich von Chelsea)
- Chenye Walk
- Battersea Bridge
 
 
 
4b) Themse Südufer
  (London Bridge bis Vauxhall Bridge)

London Bridge (wo die Golden Hinde vor Anker liegt, bzw. der Borough Market stattfindet)
- Fußweg bis Southwark Bridge und Bankside (Tate Modern, via Blackfriars Brigde)
- South Bank (National Theatre, National Film Theatre, Waterloo Bridge, Hayward Gallery, Queen Elizabeth Hall, Royal Festival Hall, County Hall, London Eye)
- Albert Embankment bis Vauxhall Bridge (ab da wird's mühselig)


Natürlich gibt's noch wesentlich mehr solcher Achsen, aber der Knappheit zuliebe hab ich mich hier auf die zentralsten beschränkt.
 
 
 
Andere wichtige, sehr grobe Ost-West-Zusammenhänge, in Bezirksnamen ausgedrückt:
  Hackney - Holloway/Highbury/Islington - Camden/Kentish Town - Kilburn/Maida Vale - Notting Hill/Westbourne Park - Queens Park/Kensal Green

Südlich davon:
Bethnal Green/Whitechapel - Shoreditch/Hoxton - City - Holborn - West End - Kensington - Fulham bzw. Shepherd's Bush

Südlich der Themse:
Greenwich - Camberwell - Brixton - Clapham - Wandsworth - Putney- Barnes - Richmond

Erklärung: London besteht aus Vierteln, die in Boroughs zusammengefasst werden, welche ihrerseits dann verwirrenderweise oft die Namen einzelner Viertel tragen. So sind zum Beispiel sowohl Camden Town als auch Kentish Town und Holborn Teil der Borough of Camden, Brixton ist Teil der Borough of Lambeth und Putney Teil der Borough of Wandsworth. Das muss und kann man nicht verstehen.
 
 
 
  Von selbst versteht sich, dass Nord-Süd-Achsen (wie z.B. die von St. Giles über die Tottenham Court Road und Hampstead Road hinauf bis nach Camden Town) ungefähr normal zu den beschriebenen Ost-West-Achsen verlaufen. Solang ihr die Ost-West-Achsen beherrscht, werdet ihr das daher ganz einfach von selber checken können. Außerdem hab ich hier nun schon genug von den Straßennamen.
 
 
 
  A propos Straßennamen: Die gibt's oft mehrmals, Postleitzahlen bei Adressen sind daher immens wichtig, weil sich etwa selbst im Mini-A to Z sieben verschiedene King's Roads finden.

Die ersten beiden Buchstaben der Postleitzahlen sind eine grobe geographische Angabe (die Zahl danach eine genauere, aber dazu ein andermal):

N = Norden

NW = Nordwesten (NE gibt's in London nicht, denn damit beginnen die Postleitzahlen von Newcastle)

E = (Nord)Osten

S = Süden

SE = Südosten

SW = Südwesten

W = Westen

WC = West Central = West End

EC = East Central = East End & City

 Eine Schnellstraße, ein Industrial Estate, ein Multiplex-Kino, eine "Lagoon", ein Soccer Centre, eine Bowling Alley, kein Grün in Sicht?
Es muss das wunderschöne Barking sein.
 
 
  Alles unterhalb der Themse (selbst wenn's aufgrund des Flußverlaufs eigentlich nördlicher sein sollte) gilt als South London, alles oberhalb der Themse als North London. Ausnahme: Im Westen geht die Themse so weit in den Süden, dass selbst Gegenden nördlich der Themse ein S in der Postleitzahl tragen. Man spricht dann von South West London und meint damit ganz was Anderes als South London (auch dazu kommen wir noch).

So, jetzt gehe ich einmal davon aus, dass ich geographisch in den kommenden Teilen nicht mehr viel erklären muss...
 
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  London for Beginners: Eine Kompaktanleitung für alle die, die trotzdem nach London fahren.

Part 1: Reading Your A to Z

Part 2: Going Out - The Dos and Don'ts

Part 3: Das West End

Part 4: Das East End und die City
   
 
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