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London/Canterbury | 5.8.2008 | 00:36 
Stadtbrief aus London, Popmetropolitanisches Themsenstrandgut - Booms, Beats und gesalzene Butter.

Fuchs, Blumenau, Smoab

 
 
Balkonien Is In The Soil
  Was über den Sommer auf Balkonien in Britannien soll ich schreiben. Als gäb's den für mich.

Wo ich doch gerade im rechtsgesteuerten Franzosen durch die Wienerstadt gurke. Das Gebläse war hin, ein paar Meter hinterm Lastwagen durch die Hitze gezuckelt, und schon hat der Motor gekocht. Ist jetzt repariert. Aber wo waren wir gerade?
 
 
  Balkonien, ja, das war wohl diesmal im Juli zwischen den Regenschauern an der Tagesordnung. Wobei der Balkon ja grundsätzlich eher nicht die britische Variante des domestizierten Outdoors darstellt.

Früher, als wir in Kentish Town, North London, hausten, da hatten wir das, was die Immobilienmakler euphemistisch eine "unofficial roof terrace" nennen.

Also ein Flachdach, auf dem man sitzen kann, mit einer Brüstung, die grade hoch genug ist, dass ein Kleinkind sich nicht so ohne weiteres in den Tod stürzt.
 
 
 
Then: 'unofficial roof terrace'
 
 
  Auf so eine unofficial roof terrace lässt sich zum Beispiel ein Barbecue stellen, das aus einer Art Blechwanne besteht, in die vier wackelige Beine geschraubt sind.

Bei Windböen und noch glühender Holzkohle können die labilen Eigenschaften einer solchen Konstruktion zu spannenden Situationen führen. Das Risiko, die halbe Nachbarschaft abzufackeln, wird dann mit der Chance abgewogen, auch bei widriger Witterung doch noch die Würstchen knusprig zu kriegen.
 
 
 
  Was hat sich nicht alles geändert, seit wir runter nach Kent gezogen und in die zutiefst britische Liga der Gartenbesitzer übergewechselt sind.

Ihr könnt da ruhig in eure Fäustchen lachen, aber es gibt gewiss schlimmere Ausgeburten des Spießertums als die diskrete Kultivierung kleiner Grünlandparzellen an den Rückseiten von Eigenheimen.
 
 
 
  Der Kauf des ersten Rasenmähers ist dabei ein Initiationsritus, der nur noch vom Erstehen familiären Freiluft-Entertainment-Zubehörs wie dem Swingball-Set, Boules (man ist ja kontinental), der obligaten bootsförmigen Sandkiste, der Kompost- und der Regenwassertonne übertroffen wird.
 
 
 
  Gar nicht wahr eigentlich. Da gibt es nämlich noch was, das nach langwierigen Preisvergleichen im Katalog-Shop-Lagerhaus erstanden werden will: Das Trampolin natürlich.
 
 
 
Now... (Komposttonne im Hintergrund)
 
 
  Wann immer ich mit dem Zug ins Londonerische rolle, kann ich beim Durchqueren der Vorstädte in die Gärten schauen und den wütenden Wettkampf der Dimensionen dieser gefederten Statussymbole beobachten, die offensichtlich zum simultanen Abwippen ganzer Kinderparties vorgesehen sind.

Keine anständigen Eltern, die es auf sich sitzen ließen, wenn die Nachbarn ihrem Nachwuchs ein mächtigeres Exemplar zu bieten hätten. Die Erniedrigung wäre unerträglich.
 
 
 
  Unser Trampolin ist dagegen gerade groß genug für eineN ErwachseneN und geradezu kriminell verantwortungslos, da es nicht einmal über ein ordentliches Hochsicherheitsfanggitter verfügt.

Aber immerhin, wir haben eines. Und dann und wann komm ich sogar dazu, mich darauf fallen zu lassen und mir sowas wie Urlaub vorzustellen. Nicht dass ich mich zu beklagen bräuchte oder so.

 
 
  Unserem elektrischen Rasenmäher hab ich übrigens beim Einparken die Räder abgefahren und ihn durch einen Händischen ersetzt, wie man ihn von alten Micky Maus-Heften her kennt.

Und während der männlichen Zielgruppe der Steak-Wender und Maiskolben-Schwärzer unten im Baumarkt megalomanische Super-Barbecues verzockt werden, die der Kommandobrücke eines Galaxis-Kreuzers gleichen, haben wir immer noch die lachsfarbene Retro-Blechwannen-Variante im Schuppen liegen.

Alles nur damit ich, der Ösi down the road, mich dann wie ein Verweigerer fühlen kann. Einfach unintegrierbar, diese Ausländer.
 
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