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London/Canterbury | 21.8.2008 | 20:45 
Stadtbrief aus London, Popmetropolitanisches Themsenstrandgut - Booms, Beats und gesalzene Butter.

Fuchs, Blumenau, Smoab

 
 
Capitalism & Cool, Part 2
  Die, die das interessiert, wissen's schon längst ("längst" ist in Zeiten der Bloggerei jeweils mit der Zeit definiert, die seit dem letzten Browser-Click vergangen ist): Heute ist das dritte Bloc Party-Album rausgekommen. Als Download. Für fünf Pfund.

Das heißt, es ist nicht wirklich ganz rausgekommen, sondern nur zehn Songs davon. Der Rest des Albums ist dann auf einer CD drauf, die im Oktober erscheint. Fans dürfen später also für dieselbe Musik noch einmal zahlen.
 Keine Angst: Nicht das Ende des Plattencovers, sondern einfach ein brauchbares "Cover" für einen Download.
 
 
  Radiohead Light könnte man dieses Modell nennen. Und irgendwie erinnert's mich auch an die Bonus-Tracks, die in den Achtzigern auf die teuren CDs gepackt wurden, damit man nur ja nicht das damals billigere Vinyl kauft - das erste Mal, dass ich als Konsument jede Sympathie für die Musikindustrie verlor.
 
 
 
  Während ich das hier nun schreibe, höre ich mein brav gekauftes Download gerade über meine lachhaften Computer-Speakers ab und muss sagen, das Produkt scheint immerhin dem Medium zu entsprechen. Nein, nicht weil die Musik lachhaft wäre (für wie boshaft haltet ihr mich?), sondern weil Bloc Party's blecherner zippel-zappeliger Sound ästhetisch ganz gut zu diesen Speakers passt.
 
 
 
  Und das, hab ich beschlossen, ist hier jetzt mein Punkt: Ich könnte wieder einmal den alten Sack raushängen lassen und euch erzählen, dass ein Album etwas ist, das man halten, spüren, riechen und abends mit ins Bett nehmen soll. Aber ich würde lügen.
 
 
 
  Denn genau genommen würde mich "Intimacy" (welch irreführender Titel) auf Vinyl nicht die Bohne interessieren. Es ist ein Download-Album. Geschrieben, aufgenommen und gemischt zu diesem Zweck.
 
 
 
  Im Gegensatz zum Beispiel zu den Fleet Foxes, für deren Doppel-Vinyl-Ausgabe ich bei meinem Wien-Aufenthalt in einem netten kleinen Geschäft nahe dem Haus des Meeres mit Freuden knappe 24 Euro abgelegt hab.
 
 
 
  Wer weiß, denk ich mir in diesem optimistischen Moment, vielleicht kommen wir statt all der gern entworfenen Zukunfts-Szenarien von der perfekten, amorphen Musikkonsumation am Ende ja einfach ganz von selbst bei einer reifen Einstellung an: indem wir den in diesem Fall so erbärmlich depperten evolutionistischen Ansatz des neuen Mediums für die neue Musik aufgeben und begreifen, dass es einfach verschiedene Tonträger bzw. Formate gibt, die zu verschiedenen Sounds passen und alle nebeneinander ihren Platz haben.
 
 
 
  Die Frage, wo dieses vermaledeite Business nun hingehen soll, würde sich dann mit einem eindeutigen "überall und nirgends" beantworten lassen. Und das passt wiederum eigentlich ziemlich gut zum Status Quo der Popmusik an sich.
 
 
 
  PS: Nur so viel zum Bloc Party-File, das mittlerweile bei Track 8 "Zephyrus" angelangt ist: Kirchenchor-Gesang mit Drum-and-Bass-Beat? Gewagt ist nicht automatisch gut.

PPS: Ein nettes Detail: Natürlich hab ich bei Universal, dem in Österreich für Bloc Party zuständigen Major angefragt, ob ich zu Rezensionszwecken eigentlich ein Gratis-Download des Bloc Party-Albums haben könnte. Die vielsagende Antwort: "Leider nein. Wir bekommen das Album erst im Oktober."
 
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