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London/Canterbury | 15.9.2008 | 20:56 
Stadtbrief aus London, Popmetropolitanisches Themsenstrandgut - Booms, Beats und gesalzene Butter.

Fuchs, Blumenau, Smoab

 
 
Rick Wright, 1943-2008
  Bei mir zu Hause liegt ein Zettel mit einer
Telefonnummer drauf.

Den hatte mir Peter Jenner, der ehemalige, erste Manager von Pink Floyd im Mai 2007 beim großen Syd Barrett-Gedenkkonzert im Londoner Barbican in die Hand gedrückt.

An jenem Abend hatte Rick Wright zusammen mit Dave Gilmour und Nick Mason Barretts "Arnold Layne" gespielt und gesungen.

Schon ein Jahr davor, als Barrett starb, hatte Jenner angeregt, dass ich doch einmal mit Wright reden sollte. 'Alle reden immer mit Gilmour, mit Waters, mit Mason, dabei hat Rick wahrscheinlich am meisten über Syd zu erzählen. Ich hab ihn immer schon sehr geschätzt, und er ist gar nicht schwer zu erreichen.'

Erst jetzt, ein Jahr später, fragte ich Jenner endlich nach der Nummer.
 
 
 
 
 
  Der 1943 in Middlesex geborene Richard Wright war eines der Originalmitglieder von Pink Floyd (gegründet 1965 als The Pink Floyd Sound). Mit seiner Farfisa- und seiner Hammond-Orgel, die er durch Leslie-Speakers und eines der ersten tragbaren Echo-Geräte, das Binson Echorec, bzw. ein WEM Copycat schickte, war er - neben Syd Barretts ungewöhnlichen Gitarrenexperimenten - für einen wesentlichen Teil des psychedelischen Sounds der Band verantwortlich.

Für das Album "Dark Side of the Moon" schrieb Wright 1973 den - insbesondere unter den aktuellen Umständen - tragisch treffend benannten Song "The Great Gig In The Sky", der ursprünglich entweder "The Religion Song" oder "Mortality Sequence" heißen hätte sollen.

1980 hatte Roger Waters ihn während der Aufnahmen zu "The Wall" aus der Band geworfen. Bizarrerweise spielte Rick Wright danach weiterhin als bezahlter Sessionmusiker bei der Band.

Nach Roger Waters' Ausstieg wurde er wieder als volles Mitglied von Pink Floyd aufgenommen.
 
 
 
Rick Wright, links, mit der ersten Floyd-Besetzung
 
 
  Rick Wright spielte 40 Jahre bei einer der größten Bands überhaupt, ohne selbst ein Rockstar zu sein. Oder sein zu wollen.

Es heißt, bei der Floyd-Reunion beim Live 8-Gig 2005 sei Rick Wright deshalb so selten im Bild gewesen, weil die ahnungslose Regie nicht einmal wusste, dass er mit zur Kernbesetzung der Band gehörte.

Ich denke an eine Pressekonferenz der Band zur Veröffentlichung der DVD-Ausgabe des "Pulse"-Videos zurück, und daran, wie Wright darüber witzelte, dass er selbst schon längst nicht mehr mitkomme, was diverse Jubiläen als Vorwand für Sonder-Editionen angeht.

So banal es klingt, das jetzt zu sagen: Der Mann war sympathisch.

Am 15. September ist der unaufdringliche Richard Wright nach einem kurzen Krebsleiden gestorben.

Bei mir zu Hause liegt ein Zettel mit seiner Telefonnummer, die jetzt nutzlos ist, und erinnert mich daran, dass es im Leben keine Zeit zum Aufschieben von Anrufen gibt.

Ich wünschte nur, ich hätte den tröstlichen Glauben, um hier mit einer Referenz auf den großen Gig im Himmel schließen zu können.
 
 
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