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London/Canterbury | 9.10.2008 | 20:04 
Stadtbrief aus London, Popmetropolitanisches Themsenstrandgut - Booms, Beats und gesalzene Butter.

Fuchs, Blumenau, Smoab

 
 
Darren plays the songs of Darren
  Kaum zu glauben, aber als ich hier zum ersten Mal über Hefner geschrieben hab, war's der erste Sommer des neuen Jahrtausends, und ich verwendete noch nicht einmal das geschlechtsneutrale Binnen-I. Tsss.
 
 
 
  "Ich bin jedenfalls dankbar für Hefner, weil sie im Moment die einzige Band sind, die mich allein mit ihren Texten unterhalten kann", schrieb ich damals (nach einer überlangen Einleitung, die heute ohne den Zusammenhang der damaligen EU-Sanktionen gegen Österreich und der mittlerweile kaum mehr vorstellbaren Präsenz einer mit Tonträgern um sich werfenden, intakten Musikindustrie kaum mehr verständlich ist).

Diese Bewertung war zwar ein bisschen falsch, immerhin gab es ja Belle & Sebastian, aber es war doch eine an gebranntem Plastik reiche wie an wiederholenswertem gesungenem Wort arme Zeit, und zumindest die eklatante Veränderung des zweiteren Umstands hat ja doch was Positives.

 Darren und Beulah (benannt nach der Band!)
 
 
  Hefners drittes, in meiner Geschichte beworbenes "We Love The City"-Album wurde dann jedenfalls - entgegen den hohen Erwartungen ihres damaligen Labels - doch kein rechter Kassenheuler.

Aber im Nachhinein hat sich der Stellenwert dieser Band, die Ende der Neunziger am dekadenten Ende der Dance-Hegemonie (sprich Superstar DJs) und am trübsinnigsten Tiefpunkt der Gitarrenmusik (sprich "New Acoustic Movement") zwischen allen Stühlen saß, doch enorm gewandelt.
 
 
 
  "Indie-Band" war zu jener Zeit das gängige Kürzel für eine Art popkulturellen Autismus (im metaphorischen Sinn), also ziemlich genau das Gegenteil seiner heutigen Bedeutung.

Was nicht heißen soll, dass Hefner heute zwangsläufig beliebter wären als damals. Aber unter den jüngeren britischen Bands wird das Fallenlassen ihres Namens meist mit einem enthusiastisch gegrunzten "Yeeeah, I really used to like them" quittiert.

Und da oder dort hört man das dann auch in den Songs raus (siehe zum Beispiel die Wave Pictures oder die hier in anderen Zusammenhängen schon erwähnten Noah & The Whale).
 
 
 
Selbstporträt des Künstlers
 
 
  Das seiner alten Band längst ebenbürtige, üppige Solowerk des von mir weit über die Grenzen des journalistischen Interesses hinaus geschätzten Hefner-Sängers Darren Hayman hab ich hier ebenfalls bereits einmal gepriesen.

In den letzten paar Monaten ließ er sich - vor allem mittels finanzieller Argumente - dazu überreden, gemeinsam mit seinem alten Bandkollegen Jack Hayter spezielle "... play the Songs of Hefner"-Shows zu spielen. Und sämtliche Karten waren in einer halben Stunde futsch.

Einerseits war das natürlich erfreulich, andererseits auch einen Deut frustrierend. Schließlich will man a) ja nicht für seine Vergangenheit mehr als für seine Gegenwart gemocht werden, noch dazu, wenn man gar nicht so zu Unrecht glaubt, dass man in der Zwischenzeit als Songwriter eher dazugelernt als abgebaut hat (siehe zum umfassenden Beweis die letzten Werke "Table For One", "The Secondary Modern", "Hayman, Watkins, Trout and Lee" oder "Great British Seaside Eps"), und b) ist es ja nicht so, dass Darren sich zuvor zickig geweigert hätte, irgendeinen Hefner-Song live darzubieten.
 
 
 
  Ich komme gleich zum Punkt: Darren Hayman spielt diesen Freitag, den 10.10.2008, in der Bunkerei im Wiener Augarten - zusammen mit dem für sich allein schon nur durch grobe Fahrlässigkeit versäumbaren Duo Stephan Stanzel von A Life A Song A Cigarette und Andreas Spechtl von Ja!Panik - jede Menge Solo- und gewiss auch den einen oder anderen Hefner-Song.

Ich hab in mehr als zehn Jahren keinen einzigen Gig von ihm gesehen, der mich nicht allein schon wegen Darrens Zwischenansagen restlos unterhalten hätte.

Abgesehen davon ist er dank einer rechten Schrummelhand, die rockt wie die gesamten Modern Lovers, eine One Man Band, die ihresgleichen sucht.

Nach dem Gig wird Darren seine 38 Jahre alten Knochen kurz rasten lassen, dann wird er, weil's keine direkte Verbindung gibt, um fünf in der Früh nach Palma de Mallorca und von dort direkt weiter nach Portugal fliegen, um am selben Abend noch einen gutbezahlten "... play the Songs of Hefner"-Gig zu geben.
 
 
 
  Ich nenn sowas Einsatz, der belohnt gehört, indem man sich das gibt (falls die jungen Leute das heutzutage noch so sagen) und dafür seinerseits mit reichlich gewitztem Liedgut bedacht wird. Eine glatte Win-Win-Situation, wie das Leben sie einem in Zeiten wie diesen nicht häufig vor die Beine wirft.
 
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  myspace.com/darrenhayman

hefnet.com
   
 
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