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London/Canterbury | 5.11.2008 | 23:34 
Stadtbrief aus London, Popmetropolitanisches Themsenstrandgut - Booms, Beats und gesalzene Butter.

Fuchs, Blumenau, Smoab

 
 
Fucking Hell!
  Heute war ich in Glasgow, um Franz Ferdinand zu ihrer neuen Platte zu interviewen. Aber dann konnten wir nicht dran vorbei, über die US-Präsidentenwahlen zu reden, schließlich wohnt Alex Kapranos heutzutage ja die meiste Zeit über mit seiner Freundin Eleanor Friedberger in Brooklyn.

Nachdem diese Passage des Interviews im Jänner, wenn das Album rauskommt, vermutlich ganz furchtbar naiv klingen wird, schieß ich sie hiermit raus, solang der Enthusiasmus noch frisch ist. Also:
 
 
 
Alex heute in Glasgow, ein bisschen gezeichnet von einer Nacht vorm Fernseher
 
 
  Hast du in Amerika was von der Stimmung rund um die Wahlen mitgekriegt?

AK: Und wie. Es war unglaublich. Ich hab mir die Rede angeschaut, und hab mir dabei gedacht: Unfassbar, ich kann das live miterleben, das ist so, als würde man Roosevelt oder Winston Churchill reden hören. Ich hatte ja schon aufgegeben. Ich hatte gedacht, das Zeitalter der Redner sei vorbei, aber nein: Er hat's drauf. So hab ich schon lange niemand mehr reden gehört. In den letzten paar Monaten herrschte in den USA, insbesondere seit dem Ende der Schlacht zwischen Clinton und Obama, eine Stimmung der Vereinigung bzw. der vereinten Ablehnung des Regimes. Eine Ablehnung der ganzen Lügen der letzten acht Jahre. Ich habe noch nie in einem Land einen derartigen Optimismus gesehen, nicht einmal 1997 in Großbritannien, obwohl sich das damals wunderbar anfühlte, weil es das Ende von 18 Jahren konservativer Regierung bedeutete. Aber die Leute glaubten nicht auf dieselbe Weise an Blair wie sie jetzt an Obama glauben. Ich weiß natürlich nicht, ob er die Hoffnungen erfüllen kann. Bei Politikern ist das ja immer so eine Sache...
 
 
 
  Auf eine gewisse Weise hat er sie aber schon erfüllt, allein schon in dem Moment in seiner Rede, wo er ganz nebenbei etwas gesagt hat, das man nie zuvor einen amerikanischen Präsidenten sagen gehört hat, und was übrigens auch Blair ganz sicher nicht gesagt hätte...

AK: Die Stelle mit 'gay or straight'?

Genau die!

AK: Ja, wir haben gerade vorhin darüber gesprochen: Die ersten zwei Minuten der Ansprache des ersten schwarzen Präsidenten der USA, und schon erwähnt er Gleichheit und sagt 'egal ob ihr schwul/lesbisch oder hetero seid'.
 
 
 
  Die Leute haben gejohlt, als könnten sie es nicht glauben.

AK: Ja, ich hab mir auch gedacht: Fucking hell! Und es war ja auch ein bisschen Kampf der Gefühle, weil man sich denkt man sollte wohl auch ein bisschen Mitgefühl für den Verlierer zeigen. Ich finde, McCain hat auch eine wundervolle, sehr bescheidene und ehrenhafte Rede gehalten, aber mein Gott, seine Anhänger waren widerlich. Absolut widerlich. Und das war auch irgendwie cool, weil man wirklich das Gefühl hatte, dass einmal die Bösen verloren haben. Ich weiß schon, wir Europäer sollen den Amerikanern nicht sagen, wen sie wählen sollen, und wir sollen uns nicht in ihre Politik einmischen, aber was zum Teufel haben die Amerikaner denn die letzten acht Jahre anderes gemacht als sich in internationale Politik eingemischt, auf eine Weise, die alle unsere Leben betrifft? Also bin ich natürlich froh, dass dieses Regime zu Ende geht. Denn es fühlte sich auch an wie ein Regime. Dauernd haben sie darüber geredet, wie sie anderswo einen Regimewechsel herbeiführen müssen. Das ist, was wir in Amerika gebraucht haben: Einen Regimewechsel!
 
 
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