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London/Canterbury | 9.12.2008 | 19:04 
Stadtbrief aus London, Popmetropolitanisches Themsenstrandgut - Booms, Beats und gesalzene Butter.

Fuchs, Blumenau, Smoab

 
 
It Really Really Really Could Happen
  Im Nachhinein lässt sich das zwar leicht behaupten, aber ja doch, es lag in der Luft. Die zunehmenden Versöhnungsgesten in Damons Interviews, die Botschaften, die Graham als "tweedo" auf dem Messageboard der Blur-Website hinterlassen hatte, die Ankündigung von Proben im neuen Jahr, das Verebben von Dave Rowntrees Politikerkarriere, das ewige Maulen von Alex James über die mangelnde Rentabilität seiner Käse-Farm in seiner wöchentlichen Independent-Kolumne... Sein Buchhalter, schrieb Alex dort schon vor langer Zeit, würde immer wieder auf eine Band-Reunion als Lösung aller Probleme zurückkommen.
 
 
  Trotzdem, ich muss ehrlich sein: Ich war alles andere als im Bilde, als heute der NME die Exklusivmeldung verbreitete:

Sieben Jahre, nachdem Graham Coxon aus Protest gegen eine von Damon Albarn ohne Absprache initiierte Zusammenarbeit mit Fatboy Slim aus dem Studio lief, haben alle vier von Blur sich wieder vereint, zumindest um kommendes Jahr einen Gig im Hyde Park zu spielen. Glastonbury scheint auch schon gebucht zu sein.

 
 
 
 
  "Na und?", hör ich da die Guns'n'Roses-Fraktion intonieren. Was soll schon groß dabei sein, wenn sich ein paar Britpopper wieder zusammentun, um noch einmal ordentlich abzukassieren? Hatten wir dasselbe nicht erst heuer von The Verve bzw. die ganze Zeit über von Oasis?

Und doch: Wer die Herren Albarn, Coxon und ihre jeweilige konzeptionelle Sturheit auch nur ein kleines Bisschen kennt, weiß, dass diese Wiedervereinigung mehr als bloß ein nostalgisches Klassentreffen sein muss. Schon überhaupt, wo der Stellenwert dieser Band gerade in den Jahren ihrer Abwesenheit nur gestiegen ist.
 
 
 
  Graham hat sich durch seine kompromisslos spröden Solo-Alben zu einer Art Vater-, oder besser großen Bruder-Figur der jüngeren denkenden Indie-Szene entwickelt, während Damon Albarn dank Gorillaz und den transkulturellen Ambitionen von Mali Music, seiner erfolgreichen chinesischen Oper "Monkey - Journey To The West", dem Projekt The Good The Bad & The Queen und der afrikanisch-europäischen Konzertreihe Africa Exprez vom britischen Feuilleton als einziger Vertreter seiner Generation in die elitäre Riege der über die Grenzen des Pop hinaus ernstzunehmenden Schlüsselfiguren aufgenommen wurde.

 
 
  Mit ihren letzten beiden Alben "13" und dem fast vollständig Coxon-losen "Think Tank" hatten Blur ihre Bandkarriere zudem als künstlerisch rehabilitierte Proponenten eines aufgeschlossenen neuen Art Rock beschlossen.
Und im Nachhinein können selbst jene, die diese Band in der Zeit ihrer kommerziellen Blüte Mitte der Neunziger bloß als Neuaufguss der britischen Popgeschichte sahen, die Triebe dieser späteren Verzweigungen in ihrem Kanon heraushören, wo es für jedes "There's No Other Way" ein "Sing", für jedes "For Tomorrow" ein "Blue Jeans", für jedes "Parklife" ein "London Loves", für jedes "Country House" ein "He Thought of Cars" und für jeden "Song 2" ein "You're So Great" gab.

Die fallenden Werte ihrer Immobilien allein sollten nun nicht reichen, um Damon und Graham zur Gefährdung dieses Nachlasses zu überreden.

 
 
 
 
  Mein Insiderwissen zu den wahren Begebenheiten ihrer Aussöhnung ist wie gesagt ein nicht Vorhandenes. Seit er im Mai wissen ließ, dass er gerade ins Mischen seines neuesten Solo-Albums vertieft sei, hatte ich von Herrn Coxon rein gar nichts mehr gehört.

Die Funkstille ließ allerdings erahnen, dass da was Größeres im Busch sein könnte. Etwas, das über seine Mitarbeit am von Stephen Street produzierten Pete-Doherty-Solo-Album hinausging.

In einem der Ausschnitte des oben verlinkten Videos auf der NME-Website sagt Graham Coxon, er stelle sich das Zusammenspiel mit Blur so vor, wie wenn man nach langer Zeit wieder auf ein Fahrrad steigt: "Wir müssen nur die Lautstärke aufdrehen, und es geht schon los."

Eines steht jedenfalls schon fest: Rein optisch gesehen findet diese Reunion immerhin noch rechtzeitig statt. Sehen alle noch sehr präsentabel aus. Da können Take That nicht ganz mit.

 
 
  Die Tickets für die Show im Hyde Park am 3. Juli 2009 gehen am Freitag bei Live Nation online.
 
 
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