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London/Canterbury | 7.1.2009 | 00:22 
Stadtbrief aus London, Popmetropolitanisches Themsenstrandgut - Booms, Beats und gesalzene Butter.

Fuchs, Blumenau, Smoab

 
 
Ron Asheton, 1948 - ?
  Die Polizei sagt, Ron Asheton müsse zumindest schon einige Tage tot gewesen sein, als er am 6. Jänner, in Ann Arbor, Michigan, auf seinem Wohnzimmersofa aufgefunden wurde.

Das klingt nach einsamen Feiertagen, auch wenn sein berühmterer Bandkollege Iggy Pop in einem ersten Statement bekannt hat, dass er mit dem Gitarristen der Stooges seinen besten Freund verloren hat.

Ron Asheton hat vermutlich einen Herzinfarkt erlitten. Er war 60 Jahre alt, und seine größten musikalischen Verdienste lagen runde 40 Jahre zurück. Sie bestanden vor allem darin, monotone, primitive, stark verzerrte Rock-Riffs zu spielen und dabei kräftig aufs Wahwah-Pedal zu treten.
 
 
  Aus heutiger Sicht ist das vielleicht nichts Außergewöhnliches, aber irgendwer muss eben damit anfangen, und in seiner brutistischen Reduktion legte der Schöpfer von zum Song glorifizierten Schinkenfaust-Riffs wie "No Fun" oder "I Wanna Be Your Dog" eine metallisch lärmige Dichte vor, der etwa die Sex Pistols in ihren Coverversionen ebenjener Nummern nie das Wasser reichen konnten (wie in meiner Electric Moments Reihe im Jahre Schnee schon einmal geschildert).

Es war der Sound eines von Rassenunruhen und Straßenschlachten gezeichneten Detroit, wo die aus dem benachbarten Ann Arbor kommenden Stooges (The Psychedelic Stooges, wie sie zunächst hießen) im Verein mit den linksradikalen MC5 im glamourös bezeichneten, in Wahrheit schwer heruntergekommenen Grande Ballroom die Stuckdecke zum Gipsflocken-Schneien zu bringen pflegten (siehe zu dieser anderen, gar nicht so idyllischen Seite der amerikanischen Sixties auch dies).

 
 
voriges Jahr mit den reformierten Stooges
 
 
  Iggy Pop, Ron Asheton, sein Schlagzeug spielender Bruder Scott und Mike Watt (als Ersatz für den 1975 gestorbenen Original-Bassisten Dave Alexander) unternahmen 2003 eine der wenigen nicht nur in finanzieller, sondern auch musikalischer Hinsicht wirklich lohnenden großen Band-Reunions (siehe diese Begebenheit aus dem 07er-Jahr).

Immerhin hatte Ron Asheton also einen würdigen Abgang. Dass er gerade jetzt stirbt, wo die in den Sechzigern noch so stolze Autoindustrie der Motor City endgültig darniederliegt, hat jedenfalls überhaupt keinen kausalen Zusammenhang. Ein gewisser bitter-ironischer Nachgeschmack ist aber nicht zu verleugnen.

 Am Bass in der Raw Power-Phase
 
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