fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 24.8.2008 | 21:00 
Geschichten über besondere Menschen und Gedankenschrott, der für Freunde bestimmt ist.

Pamela, Blumenau

 
 
Hansi Lang ist tot
  Der Sänger von u.a. der "Hallucination Company" und "Dreamboat" starb am Sonntagabend um 20 Uhr im Wiener AKH 53-jährig an den Folgen eines Schlaganfalls.

In Erinnerung an den Musiker wiederholen wir am Montag, 25. August 2008, in der FM4 Homebase (19-22 Uhr) ein Doppelzimmer Spezial vom Ostermontag 2005. Elisabeth Scharang hat den Musiker damals getroffen und mit ihm nicht nur einen Blick zurück auf ein bewegtes Musikerleben geworfen, sondern auch über kaputte Liebesbeziehungen, US-Soldaten und Jimi Hendrix gesprochen.
 
 
 
Ich spiele Leben
  An manchen Tagen laufen die Dinge nicht rund. Alles ist mühsam. Ich selbst dauermüde, und die Zeit, in der man endlich wieder einmal in Ruhe wo sitzen kann - einfach nur sitzen und schauen und mit Menschen reden, die man mag - diese Zeit will nicht näher rücken. An so einem Tag treffe ich Hansi Lang. Und obwohl ich ihn nicht persönlich kenne, weiß ich schon vorher, dass ich zwei Stunden lang einfach nur sitzen, schauen und plaudern werde. Mit einem Mann, dessen Hits ich ihm Ohr habe wie meine Lieblingsturnschuhe an meinen Füßen - gewisse Dinge verdienen ihren fixen Platz.

Wenn man an den einen oder anderen österreichischen Musiker denkt, der in den 80er Jahren groß war, hat man das Gefühl, dass sie alles, was an Potenzial da war, versoffen oder an den Kommerz verkauft haben.
Hansi Lang hat sich mit Drogen eine Zeit lang ins Abseits geschossen. Er schien einer der vielen tragischen Begabten zu sein, die am Leben scheitern.
 
 
 
 
 
Kein Platz und kein Bett
  Aber diese Drogengeschichten sind während der ganzen zwei Stunden kein Thema zwischen uns. Vielmehr erzählt er über seine Kindheit, die er auf diversen amerikanischen Stützpunkten in Deutschland und Frankreich verlebt hat. Als Kind einer Frau mit insgesamt drei unehelichen Söhnen von drei unbekannten Vätern, allesamt Soldaten der US-Army.

"Die Schwestern meiner Mutter waren alle mit amerikanischen Soldaten verheiratet und leben heute in den USA. Wir haben damals mal bei der einen, mal bei einer anderen von ihnen gewohnt. Und ich habe zu spüren bekommen, dass ich ein Bastard bin. Eine sehr bittere Erfahrung als Kind."

Wenn der fast 50-jährige Musiker über die Volksschulzeit im Nachkriegs-Wien erzählt, über seine Mutter, die nie gesprochen hat, und über die zwei Zimmer, in der die Familie wohnte, ohne ein eigenes Bett für ihn, glaube ich, einem traurigen Kind gegenüber zu sitzen. Einem Menschen, der mit Erfolg nicht viel anfangen kann, weil er nicht das Gefühl hat, dass er ihm zusteht.
 
 
 
"Ich brauche kein Geld"
  Nach einem Jimi Hendrix Konzert im Wiener Konzerthaus, ein Jahr bevor Hendrix stirbt, geht der damals 14-jährige Hansi Lang am nächsten Tag in die Schule und weiß: Alles hat sich verändert. Er weiß, dass er als Musiker leben will oder gar nicht.

Mit 17 hat er seinen ersten Job als Schlagzeuger und Sänger und tingelt durch Deutschland und Holland. Lebt in Kommunen, besetzten Häusern und bei Freunden.
Ich frage ihn, wann er in seine erste eigene Wohnung eingezogen ist. "Vor vier Jahren", ist die Antwort. Bis dahin ist er herumgezogen, war es gewohnt, keinen Platz für sich zu beanspruchen und sein zu Hause in der Musik zu suchen.

"Ich hab immer wieder gearbeitet, als Lagerhackler oder so, aber wenn ich dann das Geld in der Tasche hatte, wusste ich nicht mehr, was ich damit anfangen soll. Ich hab's nicht gebraucht. Also habe ich wieder aufgehört, zu arbeiten, und mit meiner Musik weiter gemacht."

Als er 1980 seine Solokarriere beginnt und Klassiker wie "Keine Angst" und "Ich spiele Leben" den österreichischen Plattenmarkt erobern, spielt er als Vorgruppe von Supertramp im Praterstadion in Wien.

"Es gibt Momente, die sind genau ein Mal. Die wiederholen sich nie mehr. Und das ist auch gut so. Ich weiß nur noch, dass ich nach dem Konzert mit der 5er Tram heimgefahren bin. So wie alle anderen Konzertbesucher auch."
 
 
 
Der Slow Club
  Als ich letzten Dezember den Gitarristen Harri Stojka und seine Tante Ceija im Doppelzimmer zu Gast hatte, sprudelte Harri Stojka vor Begeisterung über Hansi Langs neues Projekt: den Slow Club.

Gemeinsam mit dem langjährigen Wegbegleiter Thomas Rabitsch und Wolfgang Schlögl ("I-Wolf") hat er die Songs seiner Kindheit neu interpretiert und mit einem elektronischen Gewand versehen. Die amerikanischen Klassiker der 50er und 60er Jahre rauschen durch die Kehle dieses Mannes, dass es nur so eine Freude ist.

Warum wir während der zwei Stunden seine Drogen- und Haftgeschichten nicht besprochen haben? Die Zeit ist verfolgen. Und es gab so viel anderes zu erzählen, was diesen Mann und seine Musik ausmacht. Und die Drogenstories könnt ihr in den Internetarchiven der Zeitungen alle nachlesen - falls es euch interessiert.

 Tracklist: Hansi Lang im Doppelzimmer Spezial 
 
artist title
 Hansi LangIch spiele Leben
 The BeatlesAll You Need Is Love
 Jimi HendrixCrosstown Traffic
 Rolling StonesSympathy For The Devil
 Led ZeppelinWhole Lotta Love
 David BowieSpace Oddity
 Hansi LangKeine Angst
 Slow ClubMrs. Jones
   

 
audio
 
title: Doppelzimmer Spezial mit Hansi Lang
artist: (gesendet am 28. März 2005)
length: 78:05
MP3 (74.8MB) | WMA
   
 
 
  In Erinnerung an Hansi Lang wiederholen wir dieses Doppelzimmer Spezial am Montag, 25. August, im Rahmen der FM4 Homebase (19-22 Uhr).
 
fm4 links
  hansilang.com
   
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick