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Wien | 31.12.2007 | 17:59 
Geschichten über besondere Menschen und Gedankenschrott, der für Freunde bestimmt ist.

Pamela, Blumenau

 
 
Die Welt, in der ich lebe
  Ich habe Juli Zehs literarische Welt vor ungefähr einem Jahr für mich entdeckt. 'Spieltrieb' war ein Sog, eine Spirale, der ich mich nicht entziehen konnte und wollte.

Die Menschen, auf die ich mich Stunde um Stunde, Nacht für Nacht eingelassen habe, deren Innenleben ich erforschen durfte und ich das Gefühl nicht loswurde, dass es sich dabei um eine Wechselwirkung handelte - diese Fantasiemenschen aus Juli Zehs Welt berühren mich. Ein Hauch über die feinen Haare auf den Unterarmen. Ein unruhiges Gefühl im Nacken. Ungläubigkeit, Verbundenheit, Abscheu, Wärme - all das wandert durch das Zimmer, wechselt Plätze, Stühle, hängt an der Wand, während ich Seite um Seite durchlebe.
 
 
 
Begegnung mit Juli
  Seither sind die Bücher von Juli Zeh ein fester Bestandteil meiner Weltanschauung. Und ich konnte ganz gelassen auf den Moment warten, an dem wir uns über den Weg laufen werden.

Im Dezember treffen wir uns in einem kleinen Hotel in Regensburg. Juli Zehs neuer Roman Schilf ist erschienen und die junge Autorin seit drei Wochen auf Lesereise. So auch an diesem Abend in Regensburg. Sehr erwachsen steht sie vor mir. "Erwachsen" hier als Ernsthaftigkeit zu lesen. Schnörkellos. Durch die verhaltene Wärme spürt man die Fröhlichkeit, die sie wohl in gewohnter Freundesumgebung versprüht.

 
 
Das Recht, sich zu wehren
  Wenn man sich mit Juli Zeh auf ein Gespräch einlässt, dann bekommt man dieses auch. Lange Gedankenbögen, auf der neugierigen Suche nach neuen Facetten eines Themas. Sie fertigt mich nicht mit Geschichten ab, die ich in anderen Interviews schon tausend Mal gelesen habe. Ihr Gesicht ist plötzlich das eines Teenagers, dann wieder das einer Aktivistin. Sie wettert gegen den Überwachungsstaat, erzählt leidenschaftlich von Rechtsmittel, die man ausschöpfen muss, um sich nicht von Konzernen zum gläsernen Konsumtrottel machen zu lassen. Und dass sie auch deshalb ihre zweite Berufung neben dem Schreiben nämlich die Juristerei, so liebe. Wenn es sich zeitlich ausginge, würde sie gerne als Juristin arbeiten. Aber die Zeiten, in denen neben der Literatur weite Felder zu beackern blieben, die sind vorbei. Schön langsam muss auch die selbstkritische Juli Zeh zugestehen, dass sie aus dem Literaturbetrieb nicht mehr wegzudenken ist.
 
 
 
Jeden Abend Lampenfieber
  Im Zimmer ist es kühl. Wir setzen uns gegenüber der kleinen Hotelrezeption an ein Tischchen. Der einzige Platz, an dem man rauchen darf. Juli Zeh dreht zwei Zigaretten. Sie ist müde von dem ständigen Herumreisen. Aber sie mache im Vergleich zu anderen KollegInnen ohnehin nur das Leseprogramm, das der Verlag unter Androhung des Schlimmsten durchgesetzt habe. Vor jedem Abend Lampenfieber. Die Gespräch mit dem Publikum nach der Lesung, die manchmal ergiebig, manchmal sehr zäh laufen. Die Freude auf das neue Haus in der Nähe von Berlin. Mitten am Land in einem Dorf. Mit Freund, Hund und Katz. Und Pferden vor der Tür. Dort ist sie zu Hause. Ruhe.

 
 
Abschied auf Zeit
  Ja, die Spielfilmrechte für 'Spieltrieb' seien schon verkauft. Schade. Aber ich schick dir einen anderen Text, der mir sehr am Herzen liegt. Ihre Augen glühen. Vielleicht kannst du damit etwas anfangen. Sie gibt mir die Hand. Abschied für dieses Mal.

Beim Rückweg über die vereinsamte Fußgängerzone von Regensburg komme ich an der großen Buchhandlung vorbei. Die Sesselreihen sind bereits gut gefüllt. Der Sack mit den fünf Büchern, die ich zum Signieren durch halb Österreich geschleift habe, hängt sich schwer an. Aber ein bisschen leiden gehört zum Fansein dazu.
 
fm4 playlist    
 
artist title
 SupergrassSt. Petersburg
 The NationalFake Empire
 Rainald GrebeBrandenburg
 DecemberistsSons & Daughters
 Nigel Kennedy & KrokeEden
  Clap your hands say yeahSatan Said Dance
 Peter LichtSonnendeck
 Francoise HardyMode D'emploi
 Paradies LostNothing sacred
 Tori AmosWinter
 BeirutNantes
 Laurie AndersonSpeak my Language
 Florian HorwathDad you have faith in me
 
 
Juli Zeh in Wien
  Juli Zeh liest am 10. Jänner im Rabenhof Theater in Wien aus ihrem neuen Buch 'Schilf'.

Weitere Bücher von Juli Zeh:

Spieltrieb
Adler und Engel
Die Stille ist ein Geräusch
Ein Hund läuft durch die Republik

erschienen beim Verlag Schöffling & Co.
 
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  FM4 Doppelzimmer Spezial
   
 
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