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Wien | 25.10.2008 | 17:44 
Geschichten über besondere Menschen und Gedankenschrott, der für Freunde bestimmt ist.

Pamela, Blumenau

 
 
Ordnung im Chaos
  Didi Bruckmayr krempelt seine Hose bis zum Knie herunter. Die schwarzen Flächen seines Körperanzugs ziehen sich wie eine zweite Haut über den Oberschenkel. Es sei ein Gesamtplan gewesen, von Anfang an. Nur hätten die Tätowierer vor zwanzig Jahren sich noch geweigert, große schwarze Flächen in die Haut zu ritzen. Heute sei das aber kein Thema mehr.
Jeder und jede von euch, der/die Didi Bruckmayr schon einmal live erlebt hat, kennt diesen kompakten Körper, der als Gesamtkunstwerk zuweilen nackt über die Bühne fegt.
Didi Bruckmayrs Performances als Stimm-Akrobat und als Frontman der Bands Fuckhead und Wipe-Out gehen an seine Grenzen und die seines Publikums. "Es geht immer um Kommunikation. Und wenn ich in diesem Dialog mit dem Publikum deren Intimsphäre bei einer Extrem-Performance verletze, dann ist es schief gelaufen. Ich möchte die Leute nicht belästigen." Die Kontrolle über den Kontrollverlust zu haben, dem Schmerz eine Grenze zu setzen, die Macho-Codes des Rock-Business zu brechen - Didi Bruckmayr ist ein Analytiker. Und genau um diese Bandbreite, in der er die Facetten seines Daseins auslebt, habe ich ihn schon oft beneidet.
 
 
 
 
 
  Bruckmayer drückt auf Play. Here come the Assholes, plärrt es aus den Lautsprechern.
Sein musikalischer Kommentar zu der weltweiten Finanzkrise. Wir spekulieren über die Lernwilligkeit der Beteiligten und Verursacher, über den Privatisierungswahn und ich frage ihn, wo jemand wie er, der sich politisch immer weit links positioniert hat, heute eine linke Bewegung ortet. Die Antwort bleibt er schuldig. Kommt mit einer Gegenfrage, warum so viele, vor allem männliche, Jugendliche bei der letzten Wahl rechts außen gewählt hätten.
In diesem Zusammenhang fällt mir die Aussagen einer Anruferin in einem Jugendzimmer ein, das Claus Pirschner vor einer Woche moderiert hat. Das Mädchen meinte, dass Politiker nicht radikal genug wären. "Komm, du Bitch, gib mir dein Telefon rüber - so reden Jugendliche eben", erklärte die Anruferin. "Und diese Radikalität vermissen Jugendliche bei Politikern. Strache hat das halbwegs drauf. Kurze Slogans, die man kapiert." Abgesehen von dem großen Missverständnis bezüglich des Begriffs "Radikalität", brauchen wir uns also nicht wundern, dass Politiker zu Vertretern von Produkten geworden sind, die sie weder gut finden noch gut kennen. Und wir erwarten es auch gar nicht mehr anders. Es ist wie in der Werbung; jeder weiß, dass es darum geht, dir etwas zu verkaufen und nicht, dich über ein gutes Produkt zu informieren.
 
 
 
 
 
  Aber zurück zu Herrn Bruckmayr. Er, ein nicht weg zu denkender Teil der österreichischen Musikszene, hatte als musikinfizierter Jugendlicher nie den Plan, von seiner Musik zu leben.
Bis heute arbeitet er zeitweise als Hilfsarbeiter am Flughafen, wenn es finanziell eng wird. "Das ist keine Arbeit, die deinen Kopf anstrengt, und somit auch meine Interessen nicht stört." Vor ein paar Jahren hat er begonnen, sich mit Videokunst und Visuals zu beschäftigen, und alles, was dafür notwendig war gelernt. Er hat sich damit ein neues Feld geschaffen, sich künstlerisch auszudrücken, aber auch ganz profan mit Live-Visuals für Konzerte Geld zu verdienen. "In den großen Zeitabständen, in denen wir als Fuckhead Platten veröffentlichen, kann natürlich niemand davon leben. Aber das ist gut so. Wir machen unsere eigenen Regeln."
 
 
 
 
 
  Didi Bruckmayr in einem Doppelzimmer Spezial am 26. Oktober von 13 bis 15 Uhr.
 

 
audio
 
title: DZS Didi Bruckmayr
length: 62:32
MP3 (59.895MB) | WMA
   
 
 
  Dieses Doppelzimmer Spezial gibt's nach der Sendung auch als FM4 Interview Podcast.

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