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Wien | 1.11.2008 | 00:51 
Geschichten über besondere Menschen und Gedankenschrott, der für Freunde bestimmt ist.

Pamela, Blumenau

 
 
Die Bühnen-Anarchistin
  Ich fürchte mich bereits seit dem Aufwachen vor der Frage von Sophie Rois, in welchen Rollen ich sie am Theater gesehen habe. Und mit Recht wird sie mich das fragen! Habe ich sie schließlich zu einem zweistündigen Gespräch eingeladen, in dem es nur um eines gehen soll: um ihre Person. Aber erstens liegt die Volksbühne, zur deren Ensemble Sophie Rois seit vielen Jahren zählt, in Berlin und somit weit ab von meinem täglich begehbaren Kulturpfad, und zweitens habe ich ein unsicheres Verhältnis zum Theater entwickelt. Sophie Rois versteht meine gemischten Gefühle, was Theateraufführungen betrifft. Sie gehe selbst höchsten zwei Mal im Jahr ins Theater, und bereue es jedes Mal. Und sie sei nicht böse, dass ich sie vor allem aus Film und Fernsehen kenne; sie packt gut gelaunt Nuss-Strudel aus einem Demel-Sackerl und portioniert ihn, damit alle im Studio etwas davon abkriegen.
Neben dem Strudel liegt ein Stoß CDs, den Sophie Rois mitgebracht hat. "Ich habe bei mir zu Hause in jedem Zimmer einen Radio stehen. Ich liebe es, Radio zu hören! Aber was meinen Musikgeschmack betrifft, bin ich in der Zeit stehen geblieben, in der ich in der Linzer Undergroundszene unterwegs war. So mit 16, 17 Ende der 70er Jahre. Als die übrig gebliebenen Hippies plötzlich von Jungs abgelöst wurden, die sich gut angezogen haben und die so wunderbar nach Seife rochen!" Sophie Rois zieht eine CD der Linzer Band "Willi Warma" hervor, die Ende der 70er Jahre als das Aushängeschild der Linzer Musikszene galt - "ans, zwa, drei"... live aus dem Cafe Landgraf in Linz Urfahr, das zu dieser Zeit ein Treffpunkt für Punks und Großstadtpiraten gewesen ist und wo legendäre Konzerte stattgefunden haben. Sophie Rois hüpft auf ihrem Sessel hin und her.
 
 
 
 
 
Vom Underground zum Reinhard Seminar
  Mit 16 ist sie nicht mehr zur Schule gegangen. Über die Gründe mag sie nicht wirklich Auskunft geben. Allgemeines Unbehagen ergreift ihre ganze Gestalt, wenn sie in Gedanken in diese Zeit zurück geht. Eine Zeit lang hat Sophie Rois im Lebensmittelgeschäft ihres Vaters in Ottensheim gearbeitet und zwei Jahre lang am Linzer Hauptplatz Kindertheater gespielt. "Ich wußte nur, dass ich völlig arbeitsunwillig im herkömmlichen Sinn bin. Aber ich wußte nicht genau, was ich machen soll mit meinem Leben." Die Entscheidung, nach Wien auf die Schauspielschule zu gehen, sollte den Rechtfertigungszwang beenden: Das Diplom des Reinhard Seminars als Legitimationsmascherl für eine freigeistige Bühnenexistenz. Der Umzug nach Berlin war der nächste und logische Schritt. An der Berliner Volksbühne hat Sophie Rois ihre künstlerische Heimat gefunden. Theater, das auf der Bühne ohne fixen Text entsteht, das nicht reproduzierbar ist, das Gefühlsausbrüche, Witz und Diskurs vermanscht und zu dem macht, wofür die Volksbühne berühmt geworden ist. Zur Zeit probt Sophie Rois mit René Pollesch am Wiener Akademietheater. Zappelig hüpft sie von einem Bein zum anderen, als sie vom Stand der Proben erzählt, und dass sie bei jeder Produktion aufs Neue nervös sei, weil sich das Stück ja erst auf der Bühne entwickle und man nie wisse, ob die Idee auch wirklich aufgeht.
 
 
 
 
 
Lange Beine, hohe Hacken
  Apropos Hüpfen und Beine. Sophie Rois trägt schwarze Lackpumps mit ziemlich hohen Absätzen. Sie mag keine Turnschuhe und sie mag keine Jeans. Zumindest nicht an sich selbst. Sie mag auch nicht eine ewig junge Frau mimen. Aber nur weil sie sich der Freizeitkleidung verwehre, hieße das nicht, dass sie nicht tagelang faul herum liegen könne, stellt Sophie Rois schnell klar. Sie zieht eine weitere CD aus ihrem mitgebrachten Fundus. Ein weißhaariger Engländer in schickem Anzug lächelt mir vom Cover entgegen. "Ich hasse es, wenn ältere Männer ihre schlaffe Haut in bunte T-Shirts verpacken. Das hat überhaupt keinen Stil." Sie lächelt den Gentleman auf dem CD-Cover an. "Der hat doch Stil. Ich stehe auf Männer in Anzug." Der Engländer singt uns ein Ständchen, während ich Frau Rois auf einen Herbstspaziergang im Nebel einlade.

Das Doppelzimmer Spezial mit Sophie Rois ist am 1. November von 13 bis 15 Uhr auf FM4 gelaufen. Zum Nachhören gibt es das Gespräch hier:
 

 
audio
 
title: Doppelzimmer Spezial: Sophie Rois
length: 65:09
MP3 (62.403MB) | WMA
   
 
 
 
 
  Dieses Doppelzimmer Spezial gibt's auch als FM4 Interview Podcast.

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