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Wien | 31.12.2008 | 14:59 
Geschichten über besondere Menschen und Gedankenschrott, der für Freunde bestimmt ist.

Pamela, Blumenau

 
 
Die größte Hölle ist der Mensch selbst
  Murat Kurnaz sieht aus wie ein Türsteher vor einer Discothek, aus der jedes Wochenende dreißig Betrunkene auf die Straße befördert werden. In genau so einer Discothek hat Murat auch gearbeitet; an den Wochenenden, um sich neben der Lehre als Schiffsbauer etwas dazu zu verdienen.
"Damals habe ich viele Freunde durch Drogen verloren. Andere sind kriminell geworden. Einer meiner besten Freunde hat bei einer islamischen Bruderschaft Hilfe gefunden. Die betreuen junge Menschen, die auf der Straße gelandet sind, aber sie schwatzen dir nichts auf."
Murat erzählt präzise. Es bleibt wenig Raum für zweifelnde Fragen. Warum sich Murat Kurnaz, dessen Eltern aus der Türkei stammen und der in Bremen aufgewachsen ist, mit 18 Jahren plötzlich für den Inhalt des Koran interessiert hat, erschließt sich mir nicht wirklich. Er hat seinen Freunden damals geraten, mit dem Rauchen aufzuhören, und seine Mutter aufgefordert, Koftuch zu tragen. Mit 19 reist er nach Pakistan.
 
 
 
 
 
  Dass Murat Kurnaz sich in Pakistan das Land anschauen wollte, eine andere Kultur kennenlernen, und sich nebenbei mit dem Isalm vertrauter machen wollte, ist bestimmt nur ein Teil der Wahrheit. Aber letztlich spielt es keine Rolle. Er hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt nichts zu Schulden kommen lassen. Trotzdem wird er mit seinem Rückflugticket in der Tasche von pakistanischen Einheiten aus einem öffentlichen Bus geholt und in ein Militärlager verschleppt. Der junge Ausländer mit langem roten Bart, den er damals trug, wurde für Kopfgeld an die Amerikaner verkauft.
"Haben Sie Osama Bin Laden gesehen?" war die erste Verhörfrage. "Ja, habe ich geantwortet", erinnert sich Murat. "Ich habe Bin Laden im Fernsehen gesehen. Wie alle anderen Deutschen auch." Murat wird nach Guantanamo Bay gebracht. Die US Militärs, die ihn verhören, wollen, dass er ein Papier unterzeichnet, in dem er zugibt, an terroristischen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein. Murat unterschreibt nicht.
 
 
 
 
 
  "Die wussten nach ein paar Wochen, dass ich unschuldig bin, aber sie konnten die vielen unschuldigen Menschen, die sie misshandelt und gefoltert hatten, ja nicht einfach nach Hause gehen lassen. Also hat man sie weiter gefoltert. Viele sind so kaputt, dass sie kein Wort mehr sprechen. Ich bin einer der wenigen, der diese Hölle halbwegs heil überlebt hat und heute darüber sprechen kann."
Murats Geschichte kann man in seinem Buch nachlesen:
"Fünf Jahre meines Lebens"
Eine Empfehlung.
 
 
 
 
 
Doppelzimmer Spezial am 1. Jänner
  Murat Kurnaz erzählt über den Kampf seiner Mutter um das Leben und die Freiheit ihres Sohnes, über die Untätigkeit der deutschen Behörden, die lange nichts für seine Freilassung getan haben, über fünf Jahre Folter in Guantanamo Bay, sein Leben in Freiheit und die Arbeit als Kronzeuge für die Schließung des Folterlagers.

Doppelzimmer Spezial am 1.1. 2009, 13-15 Uhr
Nach der Ausstrahlung wird das Doppelzimmer Spezial als Podcast erhältlich und hier zum Nachhören sein.
 
 
 
Zum Nachhören
 
 

 
audio
 
title: Doppelzimmer Spezial: Murat Kurnaz
length: 57:53
MP3 (55.453MB) | WMA
   
 
 
  Dieses Doppelzimmer Spezial gibt's auch als FM4 Interview Podcast.

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