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Wien | 1.3.2008 | 12:55 
Der Funk vom Gaisberg: Soul, ich und Salzburg.

Trishes, Janis, Hedi

 
 
Netlabelism
  Es war ausgerechnet ein Artikel meines FM4-Kollegen Trishes [back in time], der mich auf das Phänomen "Netlabel" aufmerksam gemacht hat. Einmal auf den Zug des damals so beliebten Netlabels mono/tonik aufgesprungen, war ich voll mit dabei. ADSL war schon ein alter Hut und es gab somit kein Hindernis für mich, alles zu saugen, was im Netz - wunderbarerweise - legal zur Verfügung gestellt wurde.

Als sich aus dem Hype und v.a. dem heillosen Durcheinander an Stilen und Qualitäten ein spezifischer "Netlabel-Sound" zu etablieren begann, nämlich ein Derivat aus Dubhouse-Minimal-Ambient, wurde es massenhaft fad (Ausnahmen bestätigen die Regel - siehe Thinner.cc). Die Anarchie war gebändigt und der Sound wurde mir zu homogen.

(Anmerkung: Hat es vielleicht damit zu tun, dass der enorme Erfolg der Musik-Software Live dazu geführt hat, dass auf einmal jeder Dubhouse produzieren konnte? Das berühmt-berüchtigte und geniale Ping-Pong-Delay macht die Tracks ja quasi im Alleingang.)
 
 
  So verschwanden Netlabels jedenfalls langsam aus meinem Fokus, die Aufmerksamkeit galt wieder den konventionellen bzw. kommerziellen Vinyl-Releases ganz ordinärer Plattenlabels (Oh, hier liegt schon der Keim für eine weitere Story!) und meine Skepsis, dass aus "Freeware"-Musik noch etwas werden könnte, war groß. Nun beginne ich erneut neugierig zu werden, die Qualität der Produktionen hat eine rasante Entwicklung zur Besserung unternommen und - auch wenn es sich bei Netlabel-Musik immer noch um "Laptop-Musik" handelt - kommt verstärkt auch analoge Instrumentierung oder sogar menschliche Stimme zum Einsatz. Es wird viel Zeit und Liebe in Produktionen gesteckt, die von vornherein keine kommerzielle Absicht erblicken lassen und dieser Idealismus erregt - bei einem Musik-Utopie Liebhaber wie mir - wieder ungeteilte Aufmerksamkeit und Hörfreude.

Diesmal möchte ich einen Release auf dem Label LARIDAE vorstellen, die Katalognummer 037: IAMBIC2 - AS THE SNOW FELL.
 
 
 
iambic2
  Meine Tastatur lässt eine richtige Schreibung des Künstlernamens leider nicht zu, es müsste eigentlich Iambic[zum Quadrat] heißen - ein typisches Phänomen der Netlabel-Gilde: Nicht nur der Kommerz wird verweigert, auch auf zweifelhaften Starruhm wird von vornherein verzichtet, indem man sich unaussprechlicher Künstlernamen bedient. Der Brite Guy Andrews versteckt sich hinter der unberechenbaren Zahl und sein Sound ist gar nicht so sperrig.

"As The Snow Fell", ist der 37. Release auf dem Netlabel Laridae, der zweite von Andrews auf dieser Plattform und wie viele andere Kunstwerke auf Internetvertriebsbasis handelt sich um düstere Ambient-Musik mit viel Flächen und Nebelschwaden. Was diesen Tonträger von den meisten seiner Verwandten unterscheidet, ist das gelegentliche Durchbrechen von Sonnenstahlen, oder besser gesagt: Meinem Versuch zu beschreiben, dass Guy auch singt oder analoge Instrumente ins Spiel bringt wie z.B. ein Schlagzeug oder eine Gitarre. Das klingt zynisch, ist vielleicht auch nicht neu, passt aber perfekt zur Soundästhetik des Gesamtkunstwerkes und hebt dieses auf ein Niveau, das die Relevanz zeitgenössischer Internetmusik mehr als nur unterstreicht.

Laridae beschreibt sich selbst im Versuch "a wide range of styles, everything from idm/indietronics to rock/industrial" zu präsentieren, um als "counterpart to the other 95% of netlabels" mehr als "minimal dub-house stuff" zu vertreiben. Iambic2 gibt mit seinem wunderbaren Album eine Vorstellung, was dieses Manifest bedeuten könnte.

 
 
Anspieltips
  - Close of the day [.mp3]
- Beside you [.mp3]
- Dust below the Ground [.mp3]

Release laridae 037:
iambic2 - As The Snow Fell
 
 
 
P.S.
  Ganz wichtig beim Musikprodukt und eben auch bei Netlabels ist die Verpackung! Großen Respekt möchte ich daher auch der Artwork-Abteilung zollen. Herwig Holzmann hat die Fotografien von Julia Töglhofer zu einem wunderbaren Cover verarbeitet - so wird der Download auch zu einem Genuss für die Augen.

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  Laridae Labelporträt

www.laridae.at
   
 
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