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Wien | 12.12.2008 | 18:52 
Netz vs. Musik, Digital vs. Analog, Breaks & Beats vs. Rhymes, Rap vs. Regierung, Me vs. the World.

HansWu, Reiser, Andreas

 
 
Decemberlist, Zwölf
  So schnell kann's gehen. Ursprünglich hatte Tom Brenneck, seines Zeichens Gitarrist bei Sharon Jones & the Dap-Kings sowie der Budos Band, nach Grillparties am Dach seiner Wohnung im Brooklyner Grätzel Bushwick nur ein paar befreundete Musiker zu Jamsessions eingeladen. Die Adresse des Heimstudios wurde zum Bandnamen und die ersten beiden Resultate dieser ungeplanten Sessions wurden in kleiner 7"-Auflage über das neu gegründete Daptone-Sublabel Dunham veröffentlicht. So weit, so unspektakulär.

Dann kam Jay-Z - oder, besser gesagt, das HipHop-Produzentenduo Sean C & LV. Kurz nach Veröffentlichung von 'Make The Road By Walking' bekamen die beiden das wunderschöne Soul-Instrumental in die Hände und verwandelten es (ohne wirklich viel zu verändern) zu einem Beat, aus dem später 'Roc Boys', der herausragende Track auf Jay-Zs 'American Gangster' Album, werden sollte.
 
 
  Plötzlich saßen Brenneck und die Daptone-Chefs Gabe Roth und Neil Sugarman dem Majorlabel-Team des ehemaligen Rocafella- und Def Jam-Chefs gegenüber und bemühten sich, ihre Begeisterung im Dienste der Sample-Verhandlungen bestmöglich zu verstecken. Die Daptone-Familie hatte zwar im Zuge der neu entfachten Begeisterung für den von ihr zur Meisterschaft gebrachten Retro Soul-Sound mit großen Namen wie Amy Winehouse, Al Green oder dem Wu-Tang Clan zusammengearbeitet, aber das war doch etwas anders. Schließlich würden sie 'ihren' Jay-Z Song kurz darauf aus jedem vorbeifahrenden Auto in der Nachbarschaft dröhnen hören können.
 
 
 
 
 
  Obwohl die Menahan Street Band in der Vergangenheit auch einige Songs mit dem grandiosen Soul-Sänger Charles Bradley aufgenommen hatte, entschloss man sich, das kürzlich erschienene, erste Album rein instrumental zu halten. Benannt nach der Single, die alles ins Rollen gebracht hatte, versammelt 'Make The Road By Walking' aufgrund seiner Protagonisten aus einschlägigen Bands wie Antibalas, der El Michaels Affair oder eben den Dap-Kings unterschiedlichste Einflüsse. Viel von der musikalischen Anmutung ist den klassischen Soul-Bands der Spät-60er geschuldet, ob sie nun aus Memphis, Muscle Shoals oder Chicago stammten. Die in fast jedem Song zentralen Bläsersätze wiederum verleugnen zu keinem Zeitpunkt den schweren Einfluss von Fela Kutis Band Africa 70. Und dann schleichen sich immer wieder Harmonien ein, die ganz subtil an den äthiopischen Jazz um Großmeister Mulatu erinnern.
 
 
 
  Natürlich ist das alles sehr retro - und auch wieder nicht. Denn zu ihrer Zeit waren die genannten Musiker sicher nicht 'connected' genug, um sich gegenseitig so zu inspirieren. Zudem sind die Songs der Menahan Street Band eindeutig mit HipHop-Bewusstsein eingespielt - sie sind sehr rhythmusorientiert und zitieren sich auch sonst durch die Welt, von Jamaica über Brasilien bis nach Asien. Nicht nur deshalb eignet sich 'Make The Road By Walking' hervorragend für kosmopolitische Autofahrten zwischen Apetlon und Zwischenwasser.
 
 
 
Wenn Sie das mögen, brauchen sie auch diese in ihrem Leben:
  Mulatu Asatke - 'Ethiopiques Volume 4'
Karl Hector & The Malcouns - 'Sahara Swing'
Poets Of Rhythm - 'Define/Discern'
Jimi Tenor & Kabu Kabu - 'Joystone'
 
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