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Wien | 22.12.2008 | 11:58 
Netz vs. Musik, Digital vs. Analog, Breaks & Beats vs. Rhymes, Rap vs. Regierung, Me vs. the World.

HansWu, Reiser, Andreas

 
 
Decemberlist, Zweiundzwanzig
 
 
 
 
Michna - Magic Monday (Ghostly International)
  Als ich Adrian Michna zum ersten Mal traf, nannte er sich noch DJ Egg Foo Young. Weil seine Eltern arbeitsbedingt in Wien weilten, war er nach dem College auch für ein Jahr hier und verdingte sich zeitweise als Videothekar und Posaunenlehrer. Dazwischen spielte er auch vereinzelte DJ-Gigs, kam einmal mit vielen HipHop-Platten ins FM4 Tribe Vibes Studio und erzählte auch von seiner Band, der Secret Frequencies Crew.

 
 
  Jahre später stand ich im Turntable Lab in Manhattan und hatte mir schon die ganze Zeit gedacht, dass mir der Typ hinterm Tresen irgendwie bekannt vorkommt. Eine kurze Unterhaltung später klärte sich die trübe Erinnerung in meinem Kopf und wir beschlossen, in Kontakt zu bleiben. Und tatsächlich liefen wir uns danach nicht nur im Labor über den Weg, sondern auch in diversen Clubs der Stadt, wo der in College-Jahren Miami Bass-sozialisierte Egg Foo mittlerweile auch andere wundersame elektronische Stilrichtungen wie B-More Club oder Ghetto Tech in seine Sets integrierte.
 
 
 
  Ich freute mich für ihn, als ich wieder ein Jahr später von seinen Gastproduktionen für Diplo und Bonde Do Role las und noch mehr, als er mir erzählte, einen Plattenvertrag beim grandiosen Label Ghostly International unterschrieben zu haben. Auf meine Frage, wie elektronisch das Teil denn wohl klingen würde, schüttelte er den Kopf und sprach von "HipHop Beats". Um diese zwei magischen Worte noch zu unterstreichen, hatte er mir eine gebrannte DVD mit unveröffentlichten Instrumentalen von DJ Premier mitgebracht.
 
 
 
 
 
  All das schoss mir durch den Kopf, als Kollegin Brunner eines Abends im Herbst die "Magic Monday" CD einlegte und mir wahrlich die Spucke wegblieb. Denn diese Sammlung von zwölf höchst verspielten, instrumentalen Songs bloß als "HipHop Beats" zu bezeichnen, strapaziert die Grenzen des Begriffs "Untertreibung" enorm. In Michnas Soundwelt treffen organische Posaunen und E-Pianos auf digitale Drumcomputer und Synthiesounds, als wäre das immer schon so gewesen. Die Rhythmik spielt sich irgendwo zwischen Miami Bass und Downtempo ab und angezerrte menschliche Stimmen verleihen den Tracks zusätzlich Wärme.
 
 
 
  Obwohl er selbst sehr technologieaffin ist, hat Adrian auch eine nostalgische Ader. Als ich ihn im November in seinem Studio in Brooklyn besuchte, zeigte er mir stolz sein analoges Echoplex-Band-Delay und lamentierte im Interview über den Niedergang des haptischen Tonträgers. Auch deshalb hat er sich bei der Verpackung seiner Musik besonders viel Mühe gemacht: Das Cover ist Hochglanz und zeigt eine grellbunte Phantasiewelt, im Booklet gibt's zu jedem Song eine passende Anekdote aus Michnas abwechslungsreichem Leben zwischen Skateboardfahren und Kurzzeitjobs z.B. als Poolreiniger. Außerdem hat Michna die einzelnen Songs mit atmosphärischen 'found sounds' verbunden, damit die Hörer seine Platte im Idealfall als Ganzes anzuhören. Das sei auch an dieser Stelle empfohlen, denn 'Magic Monday' kann - auf diese Weise konsumiert - auch furchtbar banale Mittwoche verzaubern.
 
 
 
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