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Wien | 16.1.2009 | 19:42 
Netz vs. Musik, Digital vs. Analog, Breaks & Beats vs. Rhymes, Rap vs. Regierung, Me vs. the World.

HansWu, Reiser, Andreas

 
 
Globale 'Hoop Dreams'
  Adrian verbringt seine Nachmittage in einem der Basketballkäfige entlang des Margaretengürtels. Durch ständiges, hartes Training will er seinen Traum verwirklichen und den Sprung vom Streetball-Platz in die NBA schaffen. Karl ist diesem Traum schon wesentlich näher, immerhin lebt er in Red Hook, Brooklyn, und gilt als der talentierteste Spieler seines Grätzels. Bis es soweit ist, trainiert er aber auch Nachwuchstalente aus seinem Sozialbau, um sie vom Drogengeschäft fernzuhalten. Aziz hat sich die Buchstaben 'NBA' auf sein Basketball-Trikot gemalt, für ihn ist die US-Profiliga aber am Allerweitesten entfernt. Der Weg aus der ghanaischen Hauptstadt Accra führt nämlich in den meisten Fällen noch immer über waghalsige Bootsfahrten nach Europa.
 
 
 
 
 
  Adrian, Karl und Aziz sind die Hauptprotagonisten von Sneaker Stories, einer Dokumentation von Katharina Weingartner. Der Aufstieg von schäbigen Streetballplätzen aufs Profi-Parkett ist ein Traum, den weltweit viele Zehntausende junge Menschen träumen (und nur ein paar Dutzend tatsächlich wahrmachen können). Die großen Sportschuhmarken, die in dieser Gruppe ihre womöglich treuesten Kunden hat, macht diesen Traum deshalb auch immer wieder zum Thema ihrer großen Werbekampagnen.
 
 
 
 
 
  Als Karl, dem Nike zum wiederholten Mal auf sein Sponsorengesuch für ein Jugendturnier nicht geantwortet hat, die Firma noch immer verteidigt, bezeichnet ihn ein Kumpel deshalb als 'brainwashed'. Ein bisschen finanzielle Unterstützung wäre nur fair, meint er, schließlich würden die Streetballer in Brooklyn ja genau die Coolness verkörpern, die die Leder- und Plastikprodukte des Konzerns erst so richtig begehrenswert - und teuer - machen. Aziz rechnet vor, das ihn ein brandneues Paar Marken-Basketballschuhe einen in Ghana üblichen Monatslohn kosten würde. Deshalb spielen die meisten seiner Kollegen mit ausgelatschten Second Hand Modellen, Badeschlapfen oder überhaupt barfuß. Auch Adrian in Wien kann sich das neue paar Schuhe gerade nicht leisten, obwohl er fest davon überzeugt ist, dass er damit besser spielen würde.
 
 
 
 
 
  'Sneaker Stories' kommt ohne Erzählerstimme aus - und auch ohne eingeblendete Statistiken. Die drei jungen Männer und ihre Freunde erzählen selbst von ihren Träumen, nur um sie im nächsten Moment wieder anzuzweifeln. Wenn sie einschlägige Videos, Magazine oder Plakate anschauen und besprechen, wird der Einfluss der Turnschuhhersteller und ihrer Marketingmaschine offensichtlich. Und zwar in seinem ganzen, erschreckend globalen Ausmaß.
 
 
 
Sneaker Stories
  läuft ab heute täglich um 19 Uhr im Wiener Top Kino. Es gibt auch zwei Termine mit anschließenden Diskussionen zu behandelten Themen:

20.01. Markenwahn und Produktionsverhältnisse

Es diskutieren Katharina Weingartner (Regie Sneaker Stories), Klaus Werner-Lobo (Autor "Uns gehört die Welt", "Schwarzbuch Markenfirmen") und Ingrid Brodnig (Falter). Moderation: Corinna Milborn (Format, Club 2)

27.01. Von JUST DO IT zu YES WE CAN. Vermarktung Schwarzer Coolness.

Es diskutieren Katharina Weingartner (Regisseurin) und Araba Evelyn Johnston-Arthur (Politikwissenschafterin). Moderation: Robert Misik (Autor)
 
 
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