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Wien | 11.10.2003 | 13:24 
Bildung und Einbildung, die Herrscher der Welt.

Reiser, Andreas, Marc

 
 
Nikeground (formerly Karlsplatz)
  von Markus Zachbauer
 
 
 
Weltweite Dorfverschönderungsaktionen
  Der Sport-Multi Nike schickt sich an, den großen Metropolen dieser Welt seinen Stempel aufzudrücken. Nikegrounds, Nikequares und Piazanikes sollen unter anderem New York, Paris, London und Tokio ein urbanes Update verpassen. Und den Anfang dieser weltweiten Dorfverschönderungsaktion macht (Aufgepasst!) Wien.

Das alles fand sich auf einer Website namens nikeground.com, und sorgte für jede Menge medialen Wirbel. Rechtzeitig zum 40. Geburtstag eines Turnschuhs soll der Wiener Karlsplatz ab 1. Jänner 2004 demnach in Nikeplatz umgetauft werden. Dann auch bereichert um einen 36 Meter langen und 18 Meter hohen 'Nike-Swoosh' (so heißt das weltbekannte Hakerl).

 
 
 
 
Verkauft!
  "Zum Äußersten entschlossen" zeigte sich daraufhin in einer Aussendung die Bürgerinitiative 'Öffnet den Karlsplatz' (ihreszeichens selbsternannte Kämpferin für eine Neugestaltung dieser "Verkehrshölle"), wenn es darum gehen werde, diese Schande von Wien abzuwenden. Aus zuverlässigen Quellen meinte die Bürgerinitiative außerdem zu wissen, dass der Karlsplatz überhaupt von der Stadt Wien an Nike verkauft worden sei. Eine Nike-Mitarbeiterin eines Infostandes am Karlsplatz hätte dies bestätigt.
 
 
 
 
 
"Alles Schwindel!"
  Bei der Website handle es sich um eine Fälschung, lies Nike Österreich daraufhin verlautbaren und die ganze Aktion sei ein "Schwindel von vorne bis hinten". Man wolle gelassen auf die Sache reagieren.

"Bei allem Spaß" kündigte Nike aber dennoch umgehend rechtliche Schritte an. Die Markenrechte seien immerhin verletzt worden, und da kennt Nike dann offensichtlich doch keinen Spaß. Es handle sich dabei "leider nicht nur um einen Lausbubenstreich".

Aber worum dann? Und wer steckt dahinter?
 
 
 
  Schnell ins Blickfeld geraten: Das 'Institute for New Culture Technologies' auch bekannt als 'Public Netbase', Mitorganisatorin des Mediencamp am Karlsplatz und bekannt für medienwirksame Aktionen mit Hang zur Kommunikationsguerilla.

Wollte man seitens der Public Netbase zu Beginn nichts mit der Sache zu tun haben, so wurde Freitag abend dann der "hardly believeable nikeplatz trick" der italienischen Künstler-Gruppe 0100101110101101.ORG [spricht: "zero one dot org"] präsentiert, die die Aktion gemeinsam mit der Wiener Public Netbase entwickelt hat.
 
 
 
Die Künstlergruppe 0100101110101101.ORG, bei ihren Auftritten stets maskiert, mal zu zweit, dann (wie diesmal) ein Trio.
 
 
0100101110101101
  Die italienischen Webkünstler wurden bekannt durch das Kopieren und Spiegeln von Websites. In ihren Projekten stellen sie demonstrativ die gängige Auffassung von Urheberschaft und Copyright in Frage. Die Praxis der Kommunikationsguerilla ist der Versuch, durch Fakes, Mediensabotage und andere Tricks Kommunikationsflüsse zu unterbrechen oder zu stören. Damit sollen Diskurse an die Oberfläche gebracht werden, die vorher nicht sichtbar waren oder gar nicht stattfanden.

Thema sind stets die Konsequenzen, die sich aus neuen Technologien und Wirtschaftsformen ergeben, die aber (solange die Systeme nicht gestört werden) nicht thematisiert werden.
 
 
 
 
 
Hyper-Realität
  "Wir wollten die Stadt zur Bühne eines Theaterstücks machen und durch eine hyper-reale Inszenierung die Wahrnehmung dieser Stadt verändern", erklärte eine Sprecherin der Künstlergruppe. Und nicht zuletzt durch Nikes Ankündigung, rechtlich gegen die Verwendung ihres Markennamens vorzugehen, wird die Diskussion über das Verhältnis von Kunst, Copyright und Wirtschaft wohl auch noch eine Weile weitergeführt werden müssen.

Die Nike-Infobox am Karlsplatz ist noch bis 26. Oktober zu sehen.
 
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  www.t0.or.at/nikeground
   
 
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