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Wien | 23.11.2007 | 16:00 
Gestalten und Gestaltung. Büchereien und andere Sammelsurien.

Pamela, BorisJordan, Zachbauer

 
 
FM4 Kinopremiere: "Persepolis"
 

"Bleib immer würdevoll und dir selbst treu."
 
 
 
Persepolis
  Es gibt sie, die kleinen Comicheldinnen, die stark, frech und altklug sind. Die ganz klar wissen, dass sie mal Prophetin werden und alles Böse aus der Welt verbannen wollen, die keine Angst vor irgendwas oder irgendwem haben und mit ihrem Charme einfach umwerfend sind.
Es gibt diese Comicheldinnen. Und es gibt Marjane Satrapi.
Mit ihren Erinnerungen an ihre Kindheit im Iran und die Jugend im Wiener Exil hat sie mich vor sieben Jahren begeistert. "Persepolis" war ein Meilenstein in der Comicwelt.
Die Vertreibung des Schahs, die islamische Revolution und der Krieg wurden aus der Sicht eines Mädchens erzählt, das idyllisch und wohlhabend bei kommunistischen Eltern und einer grandiosen Großmutter aufwächst. Ein kindlicher Blick, der schärfer beobachtet und preisgibt, als das vielen Erwachsenen möglich und recht ist.

 
 
 
 
  So entsteht ein Bild vom Iran, das die Bevölkerung und deren Alltagsleben zeigt, Kopftuchzwang neben Schwarzhandel für Kassetten, Folter und Terror neben heimlichen ausgelassenen Feiern. Hinzu kommt eine berührende Familiengeschichte und eine fabelhafte Darstellung der mühsamen Entwicklung vom Kind zur Jugendlichen.
Simple schwarzweiß Bilder erklären mehr als komplexe Berichterstattungen. Marjane Satrapi hat mit "Persepolis", ihren Kindheitserinnerungen im Iran und mit "Persepolis II", ihren unglücklichen Jugendjahren im Wiener Exil soviel über die iranische Kultur und letztlich auch über unsere offengelegt, dass man das dringend als Schulbuch verwenden sollte.

Ich halte Marjane Satrapi für eine der besten Comiczeichnerinnen bzw. Geschichtenerzählerinnen.
Dennoch habe ich mit gemischten Gefühlen auf die Verfilmung von "Persepolis" gewartet. Beruhigend, dass der Film in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet worden ist, aber allzu oft sind Comicverfilmungen schon daneben gegangen, haben bewegte Bilder Handlungen zerstört und ein zu schnelles Tempo vorgegeben.

 
 
Der Film
  Nach einem verspielten Intro beginnt der Film überraschenderweise in Farbe. Satrapi ist auf dem Flughafen, richtet sich unglücklich ihr Kopftuch und erntet sofort misstrauische Blicke. Sie zündet sich eine Zigarette an und erinnert sich. An ihre Kindheit im Iran. Die Erinnerungen sind dann "gewohnt" auf schwarzweiß reduziert.
Äußerst gekonnt wird mit Bewegung, Geräuschen und Atmosphäre umgegangen, sodass die obige Befürchtung, die Verfilmung könnte dem Buch nicht gerecht werden, schnell hinfällig ist.
Im Gegenteil. In wenigen Minuten kippe ich in den Film und bin hingerissen von dieser liebenswerten entzückenden Marjane, die in einer liebevollen Familie in politischem Chaos lebt. Das ist so erschütternd, herzzerreißend und traurig und dann doch wieder so bezaubernd, voller Humor und Zuversicht. Weinen und lachen liegen bekanntlich nah beieinander.

 
 
 
 
  Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud haben die Comicbände mit viel Feingefühl animiert und gekonnt filmische Erzähltechniken ausgereizt. Grandios beispielsweise wie in wenigen Sekunden die schmerzhafte Metamorphose vom Kind zur Jugendlichen gezeigt wird. Oder historische Ereignisse Persiens, die im Stil eines orientlischen Puppentheaters nachgestellt werden.

"Es ist nicht einfach, hier Iranerin zu sein."
Einsamkeit, Heimweh, das erdrückende Gefühl des Fremdseins und Liebeskummer prägen ihre unglücklichen Jahre in Wien.
"Ich hatte eine Revolution erlebt, durch die ich einen Teil der Familie verlor. Ich hatte einen Krieg überlebt. Und eine banale Liebesgeschichte hätte mich fast weggerafft." heißt es in den Subtiteln, die leider viel zu häufig unlesbar sind - creme auf weißem Hintergrund. Könnte man das bitte nochmal überarbeiten?
Deswegen zeigen wir bei der FM4 Kinopremiere die deutsche Fassung.

 Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud
Copyright: Marjane Satrapi
 
 
 
 
Die FM4 Kinopremiere
  Wir laden 45x2 Menschen zur FM4 Kinopremiere von "Persepolis" ein. Am Mittwoch, den
28. November um 20 Uhr im Filmcasino in Wien.

Wer an der Ticket-Verlosung teilnehmen will, muss nur folgende Familienverhältnisse klären:
In der Originalversion wird die bezaubernde Großmutter von Danielle Darrieux gesprochen, die Mutter von Catherine Deneuve. Diese Mutter - Tochter Konstellation gibt es auch in einem anderen Film. In welchem?

Auf diese Frage gab es mehrere richtige Antworten, ua "Acht Frauen" und "Die Mädchen von Rochefort". Die GewinnerInnen wurden bereits via E-Mail verständigt.
 
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  Offizielle Website zu "Persepolis"
   
 
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