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Wien | 8.9.2008 | 18:33 
Gestalten und Gestaltung. Büchereien und andere Sammelsurien.

Pamela, BorisJordan, Zachbauer

 
 
Jack Unterweger
  Sommer 1991.
In L.A. werden innerhalb weniger Tage drei ermordete Prostituierte aufgefunden - alle sind mit ihrem eigenen BH erwürgt worden. In Wien sucht man zeitgleich nach einem Serienmörder, der mehrere Prostituierte grausam erwürgt und im Wienerwald verscharrt hat. Die Medien berichten täglich über diese Prostituiertenmorde, und der erfolgreich angelaufene Kinofilm "Das Schweigen der Lämmer" heizt mit dem Serienmörder Hannibal Lecter die nervöse Stimmung noch mehr an. Einer, der besonders engagiert über diese Prostituiertenmorde recherchiert und berichtet ist Jack Unterweger.
 
 
 
  Jack Unterweger ist selbst erst ein Jahr zuvor frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er wegen Frauenmord lebenslänglich saß. Jack Unterweger, der Häfnpoet, der im Gefängnis zu schreiben begonnen hatte - u. a. den autobiographischen Roman "Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus" und etliche Gutenachtgeschichten für "Das Traummännlein" - und mit seiner Literatur besonders in intellektuellen Kreisen, in der Presse und bei den Beamten des Justizministeriums einflussreiche Fürsprecher hatte.
Jack Unterweger, der Dandy, der Womanizer, dem die Maturantin und Juristinnen. Mit diesen hat Jack Unterweger gleichzeitig mehrere Beziehungen, daneben ständigen Kontakt zu Prostituierten.

 Foto Manfred Burger/picturedesk.com
 
 
  Ihm vertrauen auch die Prostituierten, er versteht sie, ist doch auch seine Tante von ihrem letzten Kunden ermordet worden. Also erzählen sie ihm offen von ihren Ängsten und Jack Unterweger verarbeitet das in spannende Radiofeatures und Zeitungsberichte. Er ist immer hautnah dabei, und recherchiert auch die Arbeit der Polizei im Detail. Ob in Österreich oder in L.A. - Jack Unterweger will es genau wissen.
Und er weiß viel. Soviel, dass er irgendwann verdächtigt wird, etwas mit den Prostituiertenmorden in Wien, Graz, Salzburg, Bregenz, Prag und L.A. zu tun zu haben.

Diese Verdachtsmomente verdichten sich 1994 zur Anklage wegen elffachen Mordes. Bei diesem langen spektakulären Prozess am Landesgericht Graz, bei dem u.a. erstmals DNA-Analysen verwendet werden, wird Jack Unterweger wegen neunfachen Mordes für schuldig befunden. Er legt Berufung ein und erhängt sich in der Nacht in seiner Zelle - mit einem durchaus komplizierten Knoten. Nach wie vor sind seitdem Etliche von Jack Unterwegers Unschuld überzeugt.

 Jack Unterweger in L.A.
Foto der Polizei Wien.
 
 
Der Mann aus dem Fegefeuer.
  Das alles - inklusive der verschiedenen Fluchtversuche - beschreibt John Leake in der Biographie "Entering Hades: The Double Life of a Serial Killer", deren deutsche Übersetzung von Clemens Setz dieser Tage erschienen ist: "Der Mann aus dem Fegefeuer. Das Doppelleben des Jack Unterweger."

Der amerikanische Autor John Leake, der bei einem Stipendienaufenthalt in Österreich eher zufällig auf den Fall Jack Unterweger gestoßen ist, erzählt die Geschichte dieser Serienmorde in einer Ausführlichkeit, die häufig nur schwer zu ertragen ist. Weil der Protagonist eben nicht ein fiktiver Hannibal Lecter ist, sondern ein kleiner Mann, auf dessen österreichischer Geburtsurkunde tatsächlich der Name Jack Unterweger steht, ein narzisstischer und sadistischer Psychopath.

Und selbst wenn man die Fakten kennt, will man das alles gar nicht so genau wissen, will man das alles gar nicht glauben, ja kann man das so oft gar nicht glauben.

Wäre das Ganze ein Drehbuch, würde man die eine oder andere Stelle streichen wollen, würde etliche Notizen in das Skript schreiben und kopfschüttelnd die Glaubwürdigkeit in Frage stellen. So aber muss man ganz andere Dinge in Frage stellen.

"Jedes Volk hat seine Verbrecher, sie gehören ein Stück weit zur (negativen) Identität einer Nation - ob wir dies wollen oder nicht. Auch wenn die Erkenntnis schmerzhaft ist, ist Jack Unterweger ebenso ein Österreicher wie Josef Fritzl, (...) oder wie das 'Bombenhirn' Franz Fuchs.
So steht der Fall Jack Unterweger nicht nur für eines der größten Verbrechen Österreichs und für den sexuellen Serienmord schlechthin, sondern für eine Gesellschafts- und Jusitzgroteske, die ihresgleichen sucht."
(aus dem Nachwort von Gerichtspsychiater Reinhard Haller)

 
 
Der Autor John Leake war am 4. August zu Gast am Privatstrand.
 
 
Am Privatstrand mit John Leak
  Ein Mitschnitt vom 4. August 2008.
 

 
audio
 
title: Sommer 1991- von 'Das Schweigen der Lämmer' zu den Handschellen von Ernst Geiger
artist: John Leake am Privatstrand
length: 5:28
MP3 (5.246MB) | WMA
   

 
audio
 
title: Die Person Jack Unterweger.
artist: John Leake am Privatstrand
length: 4:33
MP3 (4.374MB) | WMA
   

 
audio
 
title: Die Tagebücher und die Frauen
artist: John Leake am Privatstrand
length: 4:58
MP3 (4.772MB) | WMA
   

 
audio
 
title: Der Prostituiertenversteher und sein enger Kontkat zur Polizei.
artist: John Leake am Privatstrand
length: 4:25
MP3 (4.233MB) | WMA
   

 
audio
 
title: Der Prozess.
artist: John Leake am Privatstrand
length: 3:02
MP3 (2.912MB) | WMA
   
 
 
  Leake, John: "Der Mann aus dem Fegefeuer - Das Doppelleben des Jack Unterweger." Mit einem Nachwort von Reinhard Haller. Aus dem Amerikanischen von Clemens J. Setz., Residenz Verlag, St. Pölten, 2008
 
 
 
Buchpräsentation
  John Leake: "Der Mann aus dem Fegefeuer. Das Doppelleben des Jack Unterweger."

Diskussion mit Reinhard Haller, Ernst Geiger, Astrid Wagner und Autor John Leake.
Moderation: Paul Yvon

Aus dem Buch liest Clemens J. Setz

Im Landesgericht für Strafsachen Wien
Dienstag, 09.09.2008 um 19:30 Uhr
 
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