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Wien | 8.1.2009 | 20:50 
Gestalten und Gestaltung. Büchereien und andere Sammelsurien.

Pamela, BorisJordan, Zachbauer

 
 
Ich hätt gern einen Helm mit Blaulicht.
 

Noch nie seien sie bei einem Skiunfall dabei gewesen, erklären meine Kolleginnen und Kollegen bei der heutigen Redaktionssitzung. Wie? Noch nie? Ich schaue unglaubwürdig in die Runde.
Meinen einzigen größeren Skiunfall hatte ich im Volksschulalter - eine Abfahrt mit meinem Bruder, bei der man als Kind unbedingt Schuss fahren musste, wenn man nicht an einer kritischen Stelle trippeln wollte. Was dann genau passiert ist, weiß ich auch nicht mehr, jedenfalls bin ich gestürzt, hab geweint, mein Bruder hat mir Angst gemacht, von wegen die Pistenraupe würde gleich kommen und mich überfahren, worauf ich plärrend meine Skier wieder angeschnallt hab, erst recht trippeln und unter Schmerzen weiterfahren musste. Am Abend hatte sich dann rausgestellt, dass mein Bein gebrochen war. Gips hallo.

Seither, ich klopfe auf Holz, seither ist mir beim Schifahren nie was Gröberes passiert. Mir nicht, aber ich bin immer wieder "Erstversorgerin". Zuletzt in den Weihnachtsferien in Vorarlberg.
 
 
 
Das schaut spektakulärer aus, als es war. Kein Fremdverschulden, gar nichts. Die Erstversorgung war schnell erledigt. Der Mann ist hart im Nehmen. Schöne Grüße nach München und das mit dem Helm überlegen wir uns bitte ...
 
 
  Ob ich mich wirklich trauen würde, Verletzte anzugreifen fragt die Kollegenschaft. Ich denke an den Unfall im Vorjahr, als ich mit meiner Schwester am Skifahren war. Eine sehr harte steile Piste auf der ein nicht mal mittelmäßiger Snowboarder das Verhältnis zwischen seinem Können und seiner Geschwindigkeit vollkommen falsch eingeschätzt hat. Jedenfalls schlägt er mehrmals gewaltig mit dem Kopf auf der Piste auf, bevor er kopfüber zum Liegen kommt. Wir fahren sofort zu ihm hin, Blut rinnt aus Mund oder Nase, er röchelt und stöhnt. Ein grausiges Bild. Das Wichtigste - die Nerven bewahren.
Zum guten Glück sind wir zu zweit - meine Schwester kümmert sich um ihn, während ich die Unfallstelle absichere und die Rettung rufe. Das Skigebiet kenne ich so gut, dass ich keinen Pistenplan benötige, ansonsten empfehle ich dringend in weniger bekannten Skigebieten Pistenpläne mitzunehmen. In derartigen Situationen sind die unbezahlbar - nicht nur für die Orientierung sondern auch für Notfallnummern, falls einem 144 gerade nicht einfallen will. Selbst wenn man die Pläne nicht für Notfälle benötigt, was wir alle hoffen, sind die Grafiken manchmal durchaus sehenswert.
 
 
 
  Ich rufe also die Rettung, gebe die Lage durch und frag auch gleich, wie wir den Verletzten am besten hinlegen sollen, denn der versucht mittlerweile wieder aufzustehen. Wäre er bewusstlos, wäre es natürlich die stabile Seitenlage. Er aber versucht im Schock aufzustehen. Wir beruhigen ihn, fragen ihn nach seinem Namen, nach dem Wochentag, wie er hergekommen ist. Einfache Fragen, die aber auf eine mögliche Gehirnerschütterung schließen lassen würden. Bis das Ajka kommt, wärmen wir ihn mit unseren Jacken und versuchen ihn so ruhig wie möglich zu halten. Die Gelassenheit der Akjafahrer fasziniert mich einmal mehr. Ich erinnere mich an Ruedi aus der Schweiz, der den verletzten Kollegen Schmid in Laax ins Tal gebracht hat.
 
 
 
Sie sehen im Hintergrund die Absicherung der Unfallstelle - im Vordergrund den verletzten Hrn. Schmid - immerhin mit Helm.
 
 
  Wie lange er schon Snowboard fährt, frage ich ihn. Seit einer Woche, erklärt er. Aber so richtig gut erst seit zwei Tagen.
Darüber unterhalte ich mich noch lange mit meiner Schwester. Selbstüberschätzung ist einer der Hauptgründe für Unfälle auf der Piste. Komplette Fehleinschätzung des eigenen Könnens und Rücksichtslosigkeit.
Die FIS-Regeln in Ehren - wer kennt die noch? Fragende Gesichter in der Runde der Kolleginnen und Kollegen. "Rücksicht auf die anderen Skifahrer und Snowboarder" und "Beherrschung der Geschwindigkeit und Fahrweise" stehen nicht zufällig an erster Stelle. "Hilfeleistung" ist auch dabei - aber alles Dinge, die ohnedies klar sein sollten. Bei Gelegenheit sollte man die vielleicht mal wieder lesen - seit heute ist nämlich klar, dass die FIS Regeln auch rechtlich gültig sind.

Wir unterhalten uns über mögliche Gründe für Skiunfälle, die statistisch gesehen ja zurückgegangen sein sollen.

Ich vermisse manchmal Schlepplifte, boten die doch auf eine gewisse Art eine "natürliche Selektion". Um mit einem Schlepplift einen Hang raufzukommen muss man schon ein bisschen fahren können. Heutzutage kann jede Anfängerin und jeder Anfänger problemlos auf Bergstationen gelangen.
Aber da wären wir wieder schnell bei der Überschätzung des eigenen Könnens und der Kondition, von mangelnder Pisten-, Orts- und Schneekenntnis ganz zu schweigen.
 
 
 
Helmpflicht?
  Und jetzt wird über Helmpflicht auf Pisten diskutiert. Unfassbar, was da teilweise an Ideen und Argumenten geäußert wird. Ich bin generell gegen Pflichten, fahre aber seit Jahren mit Helm. Und wenn es drauf ankommt auch mit Rückenprotektor, um dem Thema Sicherheit noch eins draufzusetzen. Das würde ich auch für jedes Kind dringend empfehlen. Bei Erwachsenen wird Helmpflicht allein wenig nützen - den Kopf beim Fahren auch zu verwenden hilft mehr als diesen nur zu schützen. Oh, das klingt doch gleich wie ein Spot für mehr Sicherheit auf der Piste. Und die fängt im Kopf an.
 
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  Christian Lehner: Ich, der Pistenrowdy
   
 
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